Gedenktafel in der Klosterstraße 1a



Anna und Robert Reinhardt lebten sieben Jahre, von 1936 bis 1943, im Katholischen Nardinihaus in Pirmasens. Anna wurde am 19.1.1931 in Einöd/Homburg geboren, ihr Bruder am 25.5.1928 in Lautzkirchen (Nähe Blieskastel). Beide wurden zusammen mit ihren Eltern und einem Großteil der Verwandten in Auschwitz ermordet.

 

Über ihre Auslieferung und Deportation erfahren wir aus einem Bericht ihrer Lehrerin und Erzieherin, Schwester Lydia, einer Mallersdorfer Schwester im Nardinihaus. Sie berichtet, dass die Kinder wegen der wirtschaftlich schwierigen Lage im Nardinihaus waren und dass die Eltern die Entwicklung ihrer Kinder begleitet und positiv beeinflusst haben. Robert konnte zwei Schulklassen überspringen, stand 1943 kurz vor dem Schulabschluss und hatte Aussicht auf eine Autoschlosserlehre. Er hatte die Hälfte seines Lebens im Nardinihaus verbracht und war sicher eine sehr wichtige Bezugsperson für seine knapp drei Jahre jüngere Schwester.

 

Zu Schwester Lydia hatte er ein besonderes Vertrauensverhältnis. Diese schreibt über die Kinder: "Sie waren sehr intelligente und charakterlich wertvolle Kinder, aufgeschlossen und empfangsbereit für alles Gute." Als er und seine Geschwister nach Rodalben gebracht werden sollten, wussten Robert und Schwester Lydia, dass der Familie Deportation und Tod drohten. Robert überlegte zunächst,  alleine zu fliehen. Danach war er nahe daran, sich das Leben zu nehmen, "bevor andere es ohne Grund tun". Seine Klassenlehrerin riet ihm, bei seiner Familie (und seiner kleinen Schwester) zu bleiben. Dieser junge Mensch musste sich mit der bevorstehenden Ermordung seiner Familie und seinem Tod auseinandersetzen.

 

Als er sich entschlossen hatte, bei seiner Familie zu bleiben, schrieb er von der Deportation aus eine Karte an Schwester Lydia: "Ich habe meine Eltern und Geschwister wieder gefunden. Wir sind auf dem Transport in das Konzentrationslager. Ich weiß, was uns bevorsteht, meine Eltern wissen es nicht. Ich habe mich nun innerlich so weit durchgerungen, daß ich auch den Tod ertragen werde. Ich danke noch einmal für alles Gute, das Sie mir erwiesen. Grüße an alle Kameraden. Auf Wiedersehen im Himmel! Euer Robert."

 

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© 2018 Karola Streppel, Arbeitskreis Geschichte der Juden in Pirmasens / Stadtarchiv PS


Die feierliche Anbringung der Gedenktafel fand am 8. Mai 2018 statt.


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