Altes Rathaus

Sonderausstellung

Sonderausstellungen im Stadtmuseum

Der Wasgenwald: Waldbilder, Märchen und Idyllen. Die Malerkolonie in Obersteinbach (1896-1918) 

Franz Hein: „Das Tal“, Farblithographie. Die Darstellungen des Fleckensteins gehören zu den bekanntesten Motiven von Franz Hein.

Am Samstag, den 17. September, startet eine neue Sonderausstellung im Stadtmuseum Altes Rathaus. Unter dem Titel „Der Wasgenwald: Waldbilder, Märchen und Idyllen“ werden Werke, Fotografien und Dokumente der über lange Zeit vergessenen Malerkolonie in Obersteinbach ausgestellt.

Begeistert von der bunten Hügellandschaft und den Sandsteinburgen, darunter die Burgruine Fleckenstein und die Burg Wasigenstein, gründete der Karlsruher Professor Franz Hein vor Ort in Obersteinbach eine kleine Kunstschule, die bald regen Zulauf fand. Im Besonderen waren es Künstlerinnen, die jenseits der starren Akademien nach künstlerischer Freiheit und Selbstbestimmung suchten. Zu ihren Sujets gehörten blühende Bäume, Waldstücke und Gebäude – allesamt Motive, die an den Kunstakademien der Zeit als „malunwürdig“ galten.

Nicht wenig verwundert waren die Dorfbewohner über die mondänen Damen, die ausgerüstet mit Staffelei und Sonnenschirm in die Landschaft zogen. Man nannte sie etwas abschätzig „Malweiber“, und doch ergab sich aus diesem Spannungsfeld städtischen Lebens und dörflicher Beschaulichkeit eine Belebung, die sich vor allem in einer sich veränderten Infrastruktur niederschlug, mit Cafés und Hotels, die sich zum Teil bis heute erhalten haben. Die touristische Bedeutung zeigt sich auch daran, dass es kaum einen Ort im Nordelsass gibt, der sich auf derart vielen Ansichtskarten wiederfindet.  

Neben den Kunstwerken dokumentiert die Ausstellung auch das Leben der Malerkolonie, sowohl in Fotografien als auch Dokumenten. Dazu gehört ein angelegtes Gästebuch mit Zeichnungen sowie zahlreiche Aufnahmen des Lebens vor Ort. Neben der Malerei nutzten die Künstler/innen auch Gedichte, um ihr starkes Gefühl für die Landschaft auszudrücken.

Der Wasgenwald oder auch „Wasichenwald“ galt insbesondere dem Gründer der Malerkolonie, Franz Hein, als ein Ort des Märchens und der Idylle. Lange Zeit schon war er auf der Suche, hatte Studienreisen an mehrere Orte unternommen, als er auf einer Durchreise den „Wasgenwald“ entdeckte. Der „Wasgenwald“ gilt als eine alte Bezeichnung der Mittelgebirgslandschaften Wasgau und Vogesen. Nachdem er in Obersteinbach Rast gemacht hatte, war es für ihn entschieden, dass er nun endlich, am Fuße des Wasigensteins, das „Land des Märchens“ gefunden hatte. Dieser sagenhafte Charakter mag auch damit zusammenhängen, dass die Burg Wasigenstein bereits im damals noch mehr bekannten "Waltharilied“ eine Rolle spielt, nämlich soll sie der Schauplatz einer in der Heldendichtung erzählten Schlacht gewesen sein.     

12 Jahre lang blieb Obersteinbach Anlaufpunkt für Kunstschaffende, bis 1918, zum Ende des Ersten Weltkrieges, als aus der damaligen Bezirksgrenze eine Staatsgrenze wurde, die Einreise und Aufenthalt erschwerte. Obwohl noch manche der Kunstwerke in Museen ausgestellt waren, geriet die Malerkolonie in Vergessenheit, bis zur Wiederentdeckung eines Weidenkorbs auf einem Speicher, darin sich Lithografien der ehemaligen Schülerinnen befanden.

Durch das Engagement des ansässigen Heimatvereins, darunter die Finderin Christelle Ullmann, sowie durch die Bemühungen von Bernhard Bonkhoff, der sich auf Spurensuche begab, kamen immer mehr Dokumente, Bilder und Kunstwerke zum Vorschein, die inzwischen in den zwei Bänden „Die Malerkolonie Obersteinbach, Colonie des Peintres, 1896-1918“ von Bernhard Bonkhoff zusammengefasst sind. Auf seine Recherchen sowie auf die Leihgaben des ortsansässigen Heimatvereins von Obersteinbach gründet sich die Sonderausstellung, die mit diesem Projekt auch ein Beispiel deutsch-französischer Zusammenarbeit und Partnerschaft ist.

Die Sonderausstellung bleibt bis zum 28. Februar 2023 im Alten Rathaus. Der Eintrittspreis von 2,50 € berechtigt zum Besuch aller Ausstellungen des Stadtmuseums. Für Kinder/Schüler ist der Eintritt frei. 

Weitere Informationen unter den Telefonnummern 06331-84-2299 oder 84-2832.


Sonderausstellung zu den Revolutionskriegen

Im 1. Untergeschoss des Alten Rathauses wird derzeit eine Sonderausstellung mit Fundstücken und Beispielobjekten aus der Sammlung von Martin Behrendt gezeigt. Alle Fundstücke stammen von den Schlachtfeldern Nothweiler und Trippstadt.

Martin Behrendt beschäftigt sich seit mittlerweile 18 Jahren mit Heimatkunde Schon als Kind wollte er die Geschichte seiner Heimat kennen und verstehen und kam so - durch erste Funde - zur Geschichte der Französischen Revolution, die ihn bis heute beschäftigt.

Inzwischen steht er im regen Austausch mit vielen Sammlern und hat Kontakte bis nach Frankreich, wo er mit dem Museum bei Wattignies zusammenarbeitet. Dadurch konnten Fundstücke identifiziert werden und finden sich in den Vitrinen ausführlich beschrieben.

Aktuelles

Dr. Bernhard Bonkhoff: „Die Malerkolonie Obersteinbach“, Vortrag am 29.11.2022 um 19:00 Uhr. Veranstaltungsort: Landgrafensaal, Altes Rathaus, Hauptstraße 26. 

Zur aktuellen Sonderausstellung im Stadtmuseum Altes Rathaus lädt das Pirmasenser Stadtarchiv am Dienstag, den 29. November 2022, um 19 Uhr zu einem Vortrag von Dr. Bernhard H. Bonkhoff ein. Der Pfarrer, Kirchenhistoriker und theologische Lehrer ist der Herausgeber der 2019 und 2021 erschienenen Bände zur „Malerkolonie in Obersteinbach“ und gibt mit seinem Vortrag einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und Wiederentdeckung der elsässischen Kolonie, die von dem Karlsruher Kunstprofessor Franz Hein gegründet wurde.