Zentrale Gedenkstätte am Bahnhofsvorplatz nach dem Entwurf des Künstlers Clas Steinmann, 2014 

Aktuelles Gedenken

Aktuelles Gedenken

„ANKLÄNGE zum Gedenken an die Schicksale Pirmasenser Jüdinnen und Juden“, Gedenkweg und Konzert am 4. Juli 2021 ab 16:00 Uhr

Am Sonntag, den 4. Juli 2021, findet mit Start am Stelendenkmal in Pirmasens ein musikalischer Gedenkweg mit abschließendem Konzert in der Johanneskirche statt.

Anlass ist das Jüdische Festjahr, das 2021 vom Verein „321-1021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ initiiert wurde. Aus dem Jahr 321 stammt ein Edikt von Konstatin dem Großen, das Juden per Gesetz erlaubte, im Rat der Stadt Köln mitzuwirken und politische Ämter zu bekleiden. Das Edikt gilt als ältester Beleg für die Existenz jüdischen Lebens in Mittel- und Nordeuropa und gibt den Zeitrahmen für die 1700-jährige Geschichte. Ziel des Festjahres und Vereins ist das Wachhalten der Erinnerung an die jüdische Kultur in Deutschland und Europa, von der Wirkungsgeschichte bis zur Vielfalt jüdischen Lebens in der Gegenwart. Ebenso soll die wechselvolle, schmerzhafte Geschichte des Zusammenlebens verdeutlicht werden, von den Pogromen bis zum dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte – der Shoah, dem nationalsozialistischen Völkermord an mehr als 6 Millionen europäischen Juden. 

Auch in Pirmasens fielen mehr als 270 Jüdinnen und Juden der Shoah zum Opfer. Noch vor der Stadtgründung im Jahr 1763 ließen sich bereits Juden in Pirmasens nieder. Nachweislich war es der Goldsticker Joseph Kaufmann, der von dem damaligen Erbprinzen Ludwig, dem späteren Landgrafen Ludwig IX., 1759 das Niederlassungsrecht erhielt und somit sein Handwerk der Goldstickerei ausüben durfte. Zur Landgrafenzeit bildete sich in Pirmasens eine Gemeinde von über 140 jüdischen Mitbürgern, die von dem ersten Pirmasenser Rabbiner Jakob Beiersdorf betreut wurden. Später wurde Pirmasens zum Sitz des Bezirksrabinats, dessen Zentrum die Synagoge im damaligen „Judengässel“, der heutigen Synagogengasse, war.

Aus den Meldebeständen des Pirmasenser Stadtarchivs geht hervor, dass im Zeitraum von ca. 1880-1920 mehr als 1200 Jüdinnen und Juden in Pirmasens lebten, wobei in den Meldebeständen nur erwachsene Personen mit Wohnsitz gezählt sind; Kinder und Jugendliche mitgezählt, wäre die Zahl noch höher. In Pirmasens hatte sich eine aufblühende jüdische Gemeinde gebildet, die mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten, dem Brandanschlag auf die Pirmasenser Synagoge während des Pogroms 1938, der Verhaftung und Vertreibung im Zuge der nationalsozialistischen Repressionen, ein jähes Ende fand.

Seit 2014 gedenkt die Stadt Pirmasens in Form des Pirmasenser Gedenkprojekts an diese Opfer der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung. Neben der Installation eines Stelendenkmals im Bahnhofsbereich wurden inzwischen mehr als 40 Gedenktafeln an den Wohnorten ehemaliger jüdischer Mitbürger/innen verwirklicht. Einige dieser Stationen, die sich in der Nähe des Stelendenkmals befinden, werden am Sonntag, den 4. Juli 2021, Anlaufpunkte des musikalischen Rundgangs sein. Die Schicksale der Menschen werden vor Ort vorgestellt von der städtischen Gästeführerin Ute Jaquet-Wagner.

Mit Beginn um 16:00 Uhr am Stelendenkmal führt der Weg entlang der

·         Teichstraße 10, wo den Eheleuten Mandel gedacht wird

·         Schützenstraße, zum Gedenken an Dr. Robert Dreifus

·         Ringstraße/Oppenheimer Tor, zum Gedenken an die Familie Dreifus und Schwarz

·         Exerzierplatzstraße, zum Gedenken an die Familie Beiersdorf.

Abschluss der Veranstaltung ist ein Konzert um 18:30 Uhr in der Johanneskirche, wo u. a. Musik jüdischer Tradition wie etwa Psalmen und Instrumentalmusik von Louis Lewandowski erklingen werden. Der Komponist Louis Lewandowski gilt als Pionier der modernen jüdischen liturgischen Musik und war im 19 Jhd. Chorleiter und Organist an der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin. Für dieses Konzert konnten die Sopranistin Katharina Hirsch und die Geigerin Agnieszka Galan gewonnen werden. Lesungen gestaltet das Pfarrerehepaar Kerstin und Volker Strauch.

Zum Besuch der Veranstaltung in der Johanneskirche ist der Nachweis eines negativen Tests (PCR -Pool-Test) oder einer vollständigen Impfung oder Genesung verpflichtend. Der Eintritt ist kostenfrei.

Auch an den Stationen gibt es musikalische Beiträge vom Leistungskurs Musik des Immanuel-Kant-Gymnasiums, unter Leitung von Volker Christ, und vom Jugendchor Unisono, unter Leitung von KMD Maurice Antoine Croissant. Die beiden Ensembles werden auch dann im Konzert nochmals zu hören sein. Zum Repertoire gehören Lieder von Ralph McTell, Christoph Hiller und hebräische Lieder wie Ose schalom und El Haderech. Begleitcombo Achim Bißbort (Gitarre), Peter Hertzler (Kontrabass) und Nicci Appiah (Percussion).

Eine Voranmeldung zur Teilnahme am Gedenkweg und Konzert ist verpflichtend.

Voranmeldungen unter: Tel. 06331-842299 (Stadtarchiv, Mo. - Mi. 8:30-16:00 Uhr, Do. 8:30-18:00 Uhr, Fr. 8:30-12:00 Uhr). Die Veranstaltung ist abhängig von der Tageinzidenz. Beide Veranstaltungen sind kostenfrei.


Workshops im Pirmasenser Stadtarchiv

Frau riecht an einer Tasse 
Workshop zum Thema Gurs

Anlässlich des Jahrerstages der Deportation veranstaltete das Stadtarchiv Workshops mit dem Schwerpunkt Gurs. Workshops waren im März mit der Matzenbergschule und im August und September mit dem Immanuel-Kant-Gymnasium. An jeweils zwei Tagen kamen die Schulkassen ins Neue Rathaus. Jeweils am ersten Tag stand eine Einführung in das Thema Gurs auf dem Programm. Anhand von Quellen erarbeiteten die Schüler den Ablauf der Deportation nach Gurs bis zu den Lagerbedingungen, die in einzelnen Szenen dargestellt wurden.

Eine besondere Einheit für die Schüler der Förderschule Matzenberg lag in der Lektüre von Briefen aus dem Lager. Die Schüler verfassten eigenständige Briefe, die den Alltag des Lagers, aber auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen zum Thema hatten. Neben der allgemeinen Thematik der Deportation standen auch die Pirmasenser Schicksale im Vordergrund. Maßgeblich war der Nachvollzug, wie es ist, ausgegrenzt zu werden oder von heute auf morgen verschickt zu werden. Dabei spielten auch haptische Elemente eine Rolle, wie zum Beispiel Kaffeeersatz zu schmecken, oder wie es ist, auf einer schmalen und harten Pritsche zu liegen, wozu Palletten dienten, auf die sich die Schüler legten.

Workshop mit Schülern des Immanuel-Kant-Gymnasiums im Pirmasenser Stadtarchiv, Aug/Sept 2020

Von den rund 30 Schülern des Immanuel-Kant-Gymnasium wurde das Schicksal von Emma August recherchiert, die in der Bahnhofstraße 10 in Pirmasens wohnte. Sie war eine Dienstmagd, die ursprünglich aus Illingen stammte, wo auch ihre Familie wohnte. Nach ihrer Deportation am 20. Oktober 1940 verstarb sie bereits im Januar 1941 im Alter von nur 55 Jahren in Camp de Gurs. Die Recherchen ergaben, dass auch einer ihrer Brüder zu Tode kam. Er wurde im Euthanasieprogramm der Nazis ebenfalls 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Ebenfalls recherchiert wurde das Schicksal der Geschwister Rauner, deren Eltern in der Hauptstraße von Pirmasens eine Konfektionsartikelhandlung betrieben. Alle drei Töchter Bertha, Hedwig und Klara Hilde Auguste wurden nach Gurs deportiert und später im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.


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Projektarbeit

Das Stadtarchiv bietet als federführendes Amt im Pirmasenser Gedenkprojekt themenbezogene Workshops für Schulklassen an.

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Zentrale Gedenkstätte am Bahnhofsvorplatz nach dem Entwurf des Künstlers Clas Steinmann, 2014 

Rundgang am Stelendenkmal

Der Rundgang am Stelendenkmal führt über 10 Stationen und beinhaltet sowohl das Schicksal der jüdischen Familien als auch die besondere Themantik der jeweiligen Standorte.

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Gruppenfoto an der Burgstraße 10 

Dezentrale Gedenkorte

Neben der zentralen Gedenkstätte am Bahnhofsvorplatz konnten inzwischen 40 Gedenktafeln verwirklicht werden.

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Opfer des Nationalsozialismus

Liste der Pirmasenser Opfer des Nationalsozialismus

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Pirmasenser Gedenkprojekt
Stadtarchiv, Exerzierplatzstraße 17
Zi. 1.08 o. 1.12
66953 Pirmasens

Aktuelles/Termine

„ANKLÄNGE zum Gedenken an die Schicksale Pirmasenser Jüdinnen und Juden“, Gedenkweg und Konzert am 4. Juli 2021 ab 16:00 Uhr


Buchempfehlung:
Juden in Pirmasens - Spuren ihrer Geschichte

Buch Juden in Pirmasens

2. bearbeitete und korrigierte Auflage 2017. Hrsg. Stadtverwaltung Pirmasens. Zusammengestellt von Dunja Maurer, Bernhard Kukatzki, Heike Wittmer und dem Arbeitskreis Jüdische Geschichte in Pirmasens

Erstmals ist es gelungen, eine umfassendere Darstellung des Wirkens der Pirmasenser Juden vorzulegen. Beginnend mit der Landgrafenzeit wird dem Leben vieler alteingesessener Familien nachgespürt. Anhand von Geschichten über Menschen und Begebenheiten wird so die Geschichte der jüdischen Bürger lebendig. Ob es um Synagoge und Schule, einen Europameister im Ringen, FKP-Fans oder den Metzger um die Ecke geht, das Alltagsleben wird mit Originalzitaten belegt und macht so die Geschichte des jüdischen Pirmasens in wissenschaftlich fundierter, gut lesbarer Art greifbar.  

Zu den Autoren des Buches gehören: Ernst Becker, Frank Eschrich, Gerhard Heil, Bernhard Kukatzki, Dunja Maurer, Roland Paul, Ottmar Weber und Heike Wittmer.

Erhältlich ist das Buch zum Preis von 26,90 €

  • in der Thalia Buchhandlung, Pirmasens,
    Hauptstraße 8
  • im Forum Alte Post, Pirmasens
    Poststraße 2, Di.-So. 10:00 -17:00 Uhr
  • im Stadtmuseum Altes Rathaus, Pirmasens Hauptstraße 26, Di.-So. 14:00-17:00 Uhr
  • im Stadtarchiv Pirmasens, Neues Rathaus, Exerzierplatzstraße 17

Sie können "Juden in Pirmasens - Spuren ihrer Geschichte" auch direkt bestellen unter:

Stadtarchiv Pirmasens
Exerzierplatzstraße 17
z.H. Hrn. Norman Salzmann
66953 Pirmasens

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