Zentrale Gedenkstätte am Bahnhofsvorplatz nach dem Entwurf des Künstlers Clas Steinmann, 2014 

Aktuelles Gedenken

Aktuelles Gedenken

Projektwoche mit Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule Thaleischweiler-Fröschen

Vom 7. Juni bis zum 10. Juni 2022 nahmen Schüler/innen der 11. und 12. Klassen (Grund- und Leistungskurs Geschichte) der IGS Thaleischweiler-Fröschen an mehreren Veranstaltungen im Rahmen des Pirmasenser Gedenkprojektes teil. Schwerpunkte waren das Lager Camp de Gurs sowie das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, das von den Schüler/innen zum Ende der Projekttage besucht wurde.

Am ersten Tag stand eine Führung zum Pirmasenser Gedenkprojekt auf dem Programm, wobei bereits an einzelnen Stationen, wie z.B. der Turnstraße 11, Schicksale nach Gurs deportierter Pirmasenser Jüdinnen und Juden thematisiert wurden. Die Führung wurde mit der städtischen Gästeführerin Ute Jaquet-Wagner unternommen.

Briefe aus dem Lager Gurs, Workshop im Landgrafensaal

Während des Workshops im Anschluss an die Führung beschäftigten sich die Schüler/innen mit der Situation der Jüdinnen und Juden in Pirmasens vor 1940, der Geschichte der jüdischen Gemeinde sowie der Verschickung nach Gurs. Anhang von Zeitzeugenberichten, von Bildmaterial aus Gurs sowie Zeichnungen der Lagerinsassen (wie z.B. Liesel Felsenthal) lernten die Schüler/innen die Lagerbedingungen kennen und versetzten sich am Ende des Workshops in die Situation der Inhaftierten, indem sie Briefe aus dem Lager schrieben.

Den zweiten Tag begannen die Schüler mit einer Recherche zu den Familien Kahn, darunter Berta, Nathan, Paula und Rosel Kahn, die alle in Thaleischweiler geboren wurden und in Pirmasens wohnten.

Recherchen zu den Familien Kahn aus Thaleischweiler

Ausgangspunkt war das Gedenkbuch des Bundesarchivs, darin alle Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland recherchierbar sind. Mit Quellen aus dem Pirmasenser Stadtarchiv (Personenstandsunterlagen, Meldebucheinträgen, Kennkarten) erstellten die Schüler/innen Lebensläufe der Familien, die sie zum Abschluss der Projekttage an ihrer Schule präsentierten. Ihre Ergebnisse werden auch in das Pirmasenser Gedenkprojekt einfließen.

In Vorbereitung des Besuchs des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof hielt der städtische Gästeführer Michael Gaubatz einen Vortrag zur Entstehung des KZs, zum Lageraufbau und den Lagerbedingungen. Im Anschluss lasen die Schüler in Zeitzeugenberichten der Inhaftierten. Den Besuch bereiteten die Schüler/innen auch selbständig vor, in dem sie am schulinternen 3. Projekttag sieben Stationen des KZs erarbeiteten, vom Eingangstor bis zur Gaskammer. So konnten die Schüler/innen während des Besuchs die Führung durch das KZ auch selbständig übernehmen (im Bild die Station des Krematoriums).

Besuch des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof

Weitere Workshops im Pirmasenser Stadtarchiv

Frau riecht an einer Tasse 
Workshop zum Thema Gurs

Anlässlich des 80. Jahrerstages der Deportationen nach Gurs veranstaltete das Stadtarchiv Workshops mit dem Schwerpunkt Gurs. Workshops waren im März mit der Matzenbergschule und im August und September mit dem Immanuel-Kant-Gymnasium. An jeweils zwei Tagen kamen die Schulkassen ins Neue Rathaus. Jeweils am ersten Tag stand eine Einführung in das Thema Gurs auf dem Programm. Anhand von Quellen erarbeiteten die Schüler den Ablauf der Deportation nach Gurs bis zu den Lagerbedingungen, die in einzelnen Szenen dargestellt wurden.

Eine besondere Einheit für die Schüler der Förderschule Matzenberg lag in der Lektüre von Briefen aus dem Lager. Die Schüler verfassten eigenständige Briefe, die den Alltag des Lagers, aber auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen zum Thema hatten. Neben der allgemeinen Thematik der Deportation standen auch die Pirmasenser Schicksale im Vordergrund. Maßgeblich war der Nachvollzug, wie es ist, ausgegrenzt zu werden oder von heute auf morgen verschickt zu werden. Dabei spielten auch haptische Elemente eine Rolle, wie zum Beispiel Kaffeeersatz zu schmecken, oder wie es ist, auf einer schmalen und harten Pritsche zu liegen, wozu Palletten dienten, auf die sich die Schüler legten.

Workshop mit Schülern des Immanuel-Kant-Gymnasiums im Pirmasenser Stadtarchiv, Aug/Sept 2020

Von den rund 30 Schülern des Immanuel-Kant-Gymnasium wurde das Schicksal von Emma August recherchiert, die in der Bahnhofstraße 10 in Pirmasens wohnte. Sie war eine Dienstmagd, die ursprünglich aus Illingen stammte, wo auch ihre Familie wohnte. Nach ihrer Deportation am 20. Oktober 1940 verstarb sie bereits im Januar 1941 im Alter von nur 55 Jahren in Camp de Gurs. Die Recherchen ergaben, dass auch einer ihrer Brüder zu Tode kam. Er wurde im Euthanasieprogramm der Nazis ebenfalls 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Ebenfalls recherchiert wurde das Schicksal der Geschwister Rauner, deren Eltern in der Hauptstraße von Pirmasens eine Konfektionsartikelhandlung betrieben. Alle drei Töchter Bertha, Hedwig und Klara Hilde Auguste wurden nach Gurs deportiert und später im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.


Projektarbeit

Das Stadtarchiv bietet als federführendes Amt im Pirmasenser Gedenkprojekt themenbezogene Workshops für Schulklassen an.

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Zentrale Gedenkstätte am Bahnhofsvorplatz nach dem Entwurf des Künstlers Clas Steinmann, 2014 

Rundgang am Stelendenkmal

Der Rundgang am Stelendenkmal führt über 10 Stationen und beinhaltet sowohl das Schicksal der jüdischen Familien als auch die besondere Themantik der jeweiligen Standorte.

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Gruppenfoto an der Burgstraße 10 

Dezentrale Gedenkorte

Neben der zentralen Gedenkstätte am Bahnhofsvorplatz konnten inzwischen 40 Gedenktafeln verwirklicht werden.

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Opfer des Nationalsozialismus

Liste der Pirmasenser Opfer des Nationalsozialismus

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Pirmasenser Gedenkprojekt

Stadtarchiv, Exerzierplatzstraße 17

Zi. 1.08 o. 1.12

66953 Pirmasens

+49 06331 842223

+49 06331 842299


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