Dezentrale Gedenkorte

Hauptstraße 58 (Gemeindehaus): Pfarrer Oswald Damian

Pfarrer Oswald Damian war Vorsitzender der Religiösen Sozialisten in der Pfalz und war aktiv im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Er wurde am 20. März 1933 ins Konzentrationslager Neustadt/Haardt interniert, wo er drei Monate festgehalten wurde. Damian überlebte den nationalsozialistischen Terror und starb am 20.3.1978.

Gedenktafel an der Hauptstraße 58

Als erste Gedenktafel, die an einen politsich Verfolgten erinnert, wurde für Pfarrer Oswald Damian eine Tafel am Pfarr- und Gemeindehaus der Lutherkirchengemeinde angebracht. Die Anbringung erfolgte am 19. März 2016 unter Teilnahme der Dekanin Frau Waltraud Zimmermann-Geisert, der Beigeordneten Frau Helga Knerr und Pfarrer Wolfdietrich Rasp.

Oswald Damian
von Maximilian Kölsch

Oswald Damian, 1917 © Günter Damian mit freundlicher Genehmigung

Oswald Damian wurde am 3. März 1889 in Walsheim, in der Nähe von Landau, geboren. Er studierte ab 1909 an den Universitäten Heidelberg, Berlin und Magdeburg Theologie, sowie an den Universitäten Zürich und Utrecht, wo er 1913 sein Examen abschloss. Im Oktober 1917 wurde ihm die Pfarrstelle in Dahn verliehen, wo er im selben Jahr die aus Heuchelheim stammende Emilie Charlotte Risch heiratete, mit der er fünf Kinder hatte. 

In Dahn verblieb er mit seiner Familie bis zu seiner Versetzung nach Pirmasens im Jahr 1929. Bereits 1924 hatten 23 Prozent der Pirmasenser bei der Reichstagswahl die NSDAP gewählt. Mit seinen Ansichten, vor allem mit dem religiösen Sozialismus, stieß Damian auf heftigen Widerstand durch die Nationalsozialisten – was ihn allerdings nicht hinderte, weiterhin auch öffentlich gegen die Nationalsozialisten vorzugehen.                                                    

Dies hatte zur Folge, dass Damian sogar während seiner Gottesdienste unter Beobachtung stand. 1932 wurde Damian zum Vorsitzenden der „Religiösen Sozialisten“ gewählt. Nach weiteren Predigten gegen die Nationalsozialisten wurde ein Disziplinarverfahren von der Evangelischen Kirche gegen ihn eröffnet. Am 20.03.1933 wurde er auf dem Weg nach Hause verhaftet und in das frühe KZ Neustadt/Hardt deportiert, wo er rund vier Wochen inhaftiert blieb. Nach seiner Entlassung hatte er sich täglich bei der Gestapo-Dienstelle zu melden. Durch ein weiteres Verfahren der Kirchenregierung in Speyer wurde er 1933 vorläufig in den Ruhestand versetzt.  

Nach den Stationen Dörrenbach bei Bergzabern und Wilgartswiesen, wo er bis 1949 das Pfarramt innehatte, nahm Damian die Pfarrstelle in Kandel an. Dort blieb er bis zu seinem Tod durch einen Verkehrsunfall im Jahr 1978. Er ist beigesetzt im Familiengrab der Damians in Walsheim.