Dezentrale Gedenkorte

Maximilianstraße 9: Adolf Ludwig

Adolf Ludwig gehörte ab den 1920er Jahren zu den aktiven Verteidigern der Demokratie in Pirmasens.  Er war für die SPD im Stadtrat 3. Bürgermeister und führend in der Gewerkschaftsbewegung. 1933 musste er mit seiner Familie ins Exil und leistete vom Saargebiet aus Widerstand gegen die NS-Diktatur im Rahmen der Internationalen Gewerkschaftsbewegung und der Exil-SPD. Auch nach dem Krieg übernahm er führende Aufgaben in der Stadt Pirmasens, im Landtag und Bundestag. In Würdigung seiner Verdienste wurde am 19. Juli 1965 der Adolf Ludwig Ring nach ihm benannt.

Gedenktafel an der Maximilianstraße 9

Die Anbringung der Gedenktafel fand am 14. Februar 2017 statt. Anlässlich der Anbringung hielt Dr. Klaus Becker vom Stadtarchiv Ludwigshafen im Carolinensaal einen Vortrag zum Arbeiterwiderstand in Pirmasens. Der rund eineinhalbstündige Vortrag wurde vom OKTV Südwestfalz e.V. Rodalben aufgezeichnet und kann im Pirmasenser Stadtarchiv gesehen werden.

Im Folgenden sehen Sie einen Ausschnitt der Veranstaltung:

Adolf Ludwig – Widerstandskämpfer gegen Hitler
Vortrag und Diskussion über den Arbeiterwiderstand in Pirmasens [Ausschnitt]
Dr. Klaus Becker, Stadtarchiv Ludwigshafen


Zur Biographie von Adolf Ludwig
von Karola Streppel

Abbildung:  MdR Friedrich Wilhelm Wager und Adolf Ludwig (Mitte) beim Pfalztreffen der SPD 1932 © StArchiv Ludwigshafen. Mit freundlichen Genehmigung von Dr. Klaus Becker

Adolf Ludwig wurde am 27. Juni 1892 in Pirmasens geboren. Nach der Volks- und Realschule absolvierte er eine Schuhmacherlehre und wurde 1908 Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiterjugend in Pirmasens. 1910 trat er in die SPD und in die Schuhmachergewerkschaft ein. 1915 wurde er für den Kriegsdienst mobilisiert. Wie in seinem im Stadtarchiv Ludwigshafen verwahrten Tagebuch nachzulesen ist, verfolgte er mit Begeisterung im November 1918 den Sturz der Wittelsbacher in München. Seit 1917 bis 1922 war er Mitglied der USPD und mit diesem Parteibuch auch zum Beispiel Vorsitzender des Arbeiter-und Soldatenrates in Pirmasens. Er eignete sich Kenntnisse in rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen an. So besuchte er 1922 die Akademie der Arbeit in Frankfurt und 1924 das Fircroft College in Birmingham (s. PZ, 17.2.1987, Stadtarchiv). Von 1920 bis 1930 war er Dritter Bürgermeister von Pirmasens. Als der damalige OB Strobel in der Separatistenzeit ebenso ausgewiesen wurde wie sein Stellvertreter Kömmerling (s. Leserbrief Erwin Stein, PZ, 14.3.1987), vertrat Adolf Ludwig die Stadt als Oberbürgermeister, bis auch er "von Separatisten und Franzosen wegen seiner deutschen Gesinnung aus der Pfalz ausgewiesen" wurde (s. PZ, 4.9.1982, Stadtarchiv). 

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    Nach Ende der Separatistenzeit kehrte Adolf Ludwig nach Pirmasens zurück, das zunehmend von den Auseinandersetzungen zwischen SPD und KPD geprägt wurde. er bis 1933 dem Stadtrat angehörte. (PZ, 19.2.1962 und 4.9.82, Stadtarchiv). Zugleich war er Geschäftsführer des Schuhmacherverbandes in Pirmasens.

    Abb.: Aufmarsch des Rotfrontkämpferbunds 1928 in Pirmasens © StArchiv Ludwigshafen. Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Klaus Becker

    1932 wurde er Mitglied des bayerischen Landtages und lehnte dort 1933 das Ermächtigungsgesetz ab. Die Nationalsozialisten setzten auch in ihrer Hochburg in Pirmasens die Machtübernahme mit Gewalt, Unterdrückung und Schikane durch.

    Nach mehrmaliger Verhaftung musste Adolf Ludwig im Juli 1933 ins Saargebiet und von dort aus mit seiner Frau Helene, einer Funktionärin des Schuhmacherverbandes und seinem Sohn Werner nach Frankreich emigrieren. Von dort aus unterstützte er den Widerstand gegen die Nationalsozialisten und war aktiv in der Internationalen Gewerkschaftsbewegung und der Exil-SPD. In Pirmasens unterstützen einige Gewerkschafter die Flucht politisch Verfolgter nach Frankreich (s. Anhang 1 u. 2).

    Abbildung: Besetzung des Arbeitersängerheims in der Kreuzgasse © StArchiv Ludwigshafen. Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Klaus Becker

    Vor der Wehrmacht mussten Adolf Ludwig und seine Familie 1940 innerhalb von Frankreich von der Dordogne ins unbesetzte Frankreich fliehen. Dort konnten sie sich der Verfolgung durch die Gestapo entziehen. Nach der Befreiung 1944 wurde er Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland für den Westen und kehrte im Oktober 1945 nach Pirmasens zurück. Er war führend beim Wiederaufbau von SPD und Gewerkschaften in der Pfalz und in Rheinland-Pfalz, Mitglied des Landtages und des Bundestages. Von 1946 bis zu seinem Tod 1962 war Adolf Ludwig für die SPD im Pirmasenser Stadtrat. Von 1949 bis 1962 im Bundestag.

    1956 erhielt er vom Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz das Große Bundesverdienstkreuz "für seinen Einsatz im Kampf gegen die schwierigen Verhältnisse während des Separatismus und der Besatzungszeit". (Rheinpfalz, 18.2.1987, Stadtarchiv) 1960 erhielt er die Stadtehrenplakette der Stadt Pirmasens in Silber "für seinen Einsatz im Kampf gegen die schwierigen Verhältnisse während des Separatismus und der Besatzungszeit" (Rheinpfalz, 18.2.1987, Stadtarchiv) Am 18. Februar 1962 verstarb Adolf Ludwig im Alter von 69 in Pirmasens. Der Stadtrat von Pirmasens beschloss am 19. Juli 1965 bei 7 Gegenstimmen und 7 Enthaltungen mehrheitlich, im Gedenken an die Verdienste von Adolf Ludwig eine Straße nach ihm zu benennen (s. Ratsprotokolle 1965, 19. Juli 1965, 5. Punkt der Tagesordnung, Stadtarchiv) und Karte Adolf Ludwig Ring.


    Anhänge

    1: Pfälzische Volkszeitung vom 15.2.1946 Pirmasens, 100 Jahre Schuhmachergewerkschaften Festschrift, S. 60

    Opfer des Faschismus: Albert Jung durch brutale Methoden der Nazis zu Tode getrieben. • Jakob Schmit, KZ-Flossenbürg nach 8 Jahren ermordet • Arnold Brigaldino, KZ Dachau, nach 3 Jahren ermordet • Eduard Jeckel, KZ Dachau, nach 2 Jahren • Erich Jeckel, KZ Dachau, nach 1 Jahr dort an Krankheit gestorben • Wilhelm Fuhrmann von Niedersimten, KZ Dachau, nach 2 Jahren an dort zugezogener Krankheit gestorben • Jean Koch starb nach Misshandlungen in Schutzhaft • (Gustav Hinkel, 1937 in Spanien gefallen) • Otto Hoffmann im KZ Mauthausen • Heinrich Hagebach 1930 in Pirmasens von SS erschossen.

    Länger als 1 Jahr im KZ: Otto Jökel • Ludwig Wolf • Ernst Hirschelmann • Georg Ehwald • Herold Brigaldino • Peter Grün • Josef Schneider • Jakob Marko • Edwin Bopp • Wilhelm Haagen • Georg Renneis • Gustav Mäß • Eugen Pletsch • Magdalena Pletsch • Albert Semmler • Jakob Lischer • Julius Stretz • Georg Arnold • Arthur Preißer • Karl Ballinger • Ludwig Roos • Ferdinand Klesmann • Hermann Schäfer • Alois Simon • Ludwig Knieriem • Karl Roos • Philipp Schmidt • August Heiser • Richard Hanser • August Hübler • Albeert Lacker

     2: 1949-1989 Vierzig Jahre Gewerkschaft LEDER, Dieter Schuster, S. 73

    Pirmasens: Unter den 18 Männern, die in Pirmasens durch die Nazis ihr Leben verloren haben, sind die Schuharbeiter: Heinrich REUL, Reichsbannermann, am 4.März 1933 in Thaleischweiler von der SA erschossen. In Konzentrationslagern starben Erich Jeckel und Otto Hoffmann. An den Folgen von KZ-Haft starben Peter Grün und Jean Koch.

    Pirmasenser halfen in den Jahren von 1933 bis 1935 politischen Flüchtlingen in das Saargebiet und nach Frankreich. Zu den Helfern gehörten die Schuharbeiter August EBERLE, Georg EWALD; Josef SCHNEIDER, Georg STEPHAN und ZIPF. 69 Schuharbeiter gehörten zu den Verfolgten. Von ihnen waren 14 im KZ Dachau, drei im KZ Buchenwald, einer im KZ Mauthausen, einer im KZ Sachsenhausen und einer KZ Theresienstadt.

    Vier Sekretäre des Schuhmacherverbandes, Johann DEMBERGER und Friedrich BRÜHNE, wurden am 8. Mai 1933 entlassen; LUDWIG und DINGES verhaftet. Die Sekretäre des Christlichen Verbandes, Josef BECKER und Josef MALSCH, wurden im Juni 1933 entlassen; der Bezirksleiter Jakob DÖRLER vier Wochen in „Schutzhaft“ genommen.
    Adolf LUDWIG flüchtete 1933 mit seiner Frau Helene, einer Schuhmacher Funktionärin, nach Frankreich. Er kehrte 1945 zurück, wurde der Vorsitzende des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes Rheinland-Pfalz und Landesvorsitzender des DGB-Landesbezirks Rheinland-Pfalz. LUDWIG war viele Jahre Mitglied des Bundestages.

    Fritz VOLKEMER, Mitglied des Beirates des Schuhmacherverbandes, flüchtete ebenfalls 1935 nach Frankreich, lebte nach der deutschen Besetzung zeitweise mit der Familie LUDWIG illegal in Frankreich. Er ging dann nach Tunis und erlebte das Kriegsende in Algerien. Nach 1945 Vorsitzender der Gewerkschaft in Pirmasens, dann Landesvorsitzender der Gewerkschaft Schuh und Leder und Bezirksleiter der Gewerkschaft Leder. Fritz VOLKEMER gehörte viele Jahre dem Landtag von Rheinland-Pfalz an.

    Der Schuharbeiter Albert SCHWEITZER emigrierte in die Schweiz, studierte in Basel, ging in die USA und wurde Professor.

    Karola Streppel, AK Geschichte der Juden 13.2.2017