Altes Rathaus
Zum 300. Geburtstag von Caroline
Plakat am Alten Rathaus, 2021

Aus Anlass des 300sten Geburtstages von Caroline von Hessen-Darmstadt hat das Stadtmuseum Pirmasens ein Großplakat ans Alte Rathaus anbringen lassen.

„Die große Landgräfin“, wie sie von Friedrich dem Zweiten genannt wurde, hatte für Pirmasens nur wenig übrig. Der spartanische Hofstaat, die vielen Grenadiere und die wenigen Bauern und Händler, die zu dieser Zeit in Pirmasens lebten, entsprachen bei Weitem nicht ihren Vorstellungen von einem höfischen Leben. Mit der inoffiziellen Übernahme der Regierungsgeschäfte in Darmstadt nach dem Tod des Schwiegervaters 1768 hielt sie jedoch Ludwig den Rücken frei, der sich nun ungehindert dem Aufbau seiner Garnisonstadt Pirmasens widmen konnte. Schon allein dafür sollte der Geburtstag nicht unvergessen sein und das Leben Carolines ein wenig beleuchtet werden:

„Wärmende Strahlen seines späten Lebens“, so bezeichnete der alternde Molièr in einem seiner Briefe die Beziehung zu Caroline Henriette Christine Louise Landgräfin von Hessen-Darmstadt, geborene Prinzessin zu Zweibrücken-Birkenfeld. Sie, die am 9. März 1721 im Rappoltsteinischen Hofe zu Straßburg als Tochter des Pfalzgrafen Christian III. von Zweibrücken-Birkenfeld und der Caroline von Nassau-Saarbrücken geboren wird, ist für viele Ihrer Zeitgenossen eine auffallend angenehme Erscheinung. Vorlieben für Natur, Jagd und schnelle Pferde lassen sie lebendig und natürlich erscheinen. Neigungen für Philosophie, Literatur und schöne Künste ergänzen das Bild zu einer gebildeten und weitsichtigen Frau.

Auch Ludwig der Erbprinz von Hessen-Darmstadt ist gefangen vom Liebreiz Carolines. Der Wunsch die Prinzessin zu ehelichen wird von deren Mutter sehr unterstützt. Ludwigs Vater hingegen bittet zunächst den Sohn um Studienreisen nach Straßburg und an den Hof von Versailles. Ein Jahr vor der Heirat verlobt sich Ludwig und Caroline in Tschifflik am 2. August 1740.

Am 12. August 1741 findet gleich eine Doppelhochzeit statt. Carolines Schwester Christiane-Henriette ehelichte Fürst von Waldeck und Pyrmont. Die Feierlichkeiten finden in Zweibrücken statt. Ein zeitgenössischer Berichterstatter urteilt: „Christiane-Henriette glich einem Stern, der über den Planeten kreysst, während Caroline die Kunst verstand in einem Sonnensystem zu leuchten.“ Unbeschwerte Tage und eine Hochzeit aus Liebe.

Doch dies sollte sich bald ändern. Die grundverschiedenen Naturen beider lassen das Leben, das Miteinanderleben, nicht immer einfach erscheinen. Bereits in der Verlobungszeit erkennt Ludwig, daß Caroline nicht so ganz seine Ansichten teilt und ihn, der zeitweise Liebesbriefe mit Blut signiert, eher kühl zurückweist. Caroline findet trotz redlicher Bemühung keinen Zugang zu seinem Leben, seinem Werk und seiner Stadt. Immer wieder versucht sie die Beziehung nach Ludwigs Wünschen zu gestalten. Sie trägt sogar die von ihm ausgesuchten Kleider, die eigens in Paris gefertigt werden. Für Ludwig störend ist das enge Verhältnis von Caroline zu ihrer Mutter. Beide verstehen sich ausgezeichnet und sind oft zusammen. Diesem engen Verhältnis und dem starken Einfluss der Mutter, die ihre Tochter mehr zur Tugend und Sittsamkeit erzogen hatte als Ludwig lieb war, gibt er die Schuld an dem ehelichen Zerwürfnissen. Würde man Caroline fragen, so klängen die Argumente anders. Der Soldaten-Landgraf  war doch zu absonderlich für die gebildete Prinzessin. Als einen tiefen Rückschritt empfindet die Prinzessin zum Beispiel die Wahl von Pirmasens als Residenz. Einem Dorf mit nur einer Straße und drei Gassen (Pirmasens war damals wirklich nicht größer) würde sie keine solche Ehre antun. Buchsweiler hatte im Vergleich wenigstens ein ansehnliches Schloss, während sich das Pirmasenser Jagdschlösschen eher spartanisch gab.

Caroline reist des Öfteren zwischen Buchsweiler und Pirmasens. Ein längerer Aufenthalt in Prenzlau (von 1750-1757) bietet die Möglichkeit auch durch die Bekanntschaft mit Amalie, der Schwester Friedrichs des Großen, eine engere Bindung zum Berliner und Potsdamer Hof aufzubauen. Ein besseres Leben als erwartet lassen ihr die sieben Jahre recht angenehm erscheinen. Sie hat Zeit sich der umfangreichen Bibliothek zu widmen und wird auch ständig durch Abbé Reinam mit neuer französischer Literatur versorgt. Ein reger Geistesaustausch, zunächst im Lesen der Bücher, später vereinzelt auch in eigenen Briefen, beginnt mit den Zeitgenossen. Diese geistigen Ausflüge lassen sie auch die Nähe ihres Gatten ertragen. Sie ist mit seinem Denken und Handeln nicht einverstanden, fügt sich aber ihrem Schicksal und führt für ihren Gemahl manche Verhandlungen mit dem heimischen Hof, der zu dieser Zeit in enormen Geldsorgen steckt. Der Vater Ludwigs drängt den Sohn und Erben immer mehr zu Rückkehr, aber erst Ereignisse in Böhmen veranlassen diesen zum Abschiedsgesuch im August 1757.

Die schöne Zeit, in der Caroline auch Friedrich dem Großen ihre Verehrung gesteht, ist damit endgültig vorbei. Ihr Mann nimmt bereits früher die altgewohnten Geschäfte in Pirmasens wieder auf und sie richtet sich fast verbittert im Schloss zu Buchsweiler ein. Aus dieser Zeit stammt auch der Ausspruch. „ Das Leben in Pirmasens ist weniger als Vegetieren, und wenn eines Tages eine Seelenwanderung stattfindet, weiß ich nicht, ob ich nicht vorziehen würde, eine Auster zu sein, als hier in Pirmasens zu wohnen.“ Diese Zeilen drücken die tiefe Bitterkeit aus, die sie empfindet, über den Verlust der höfischen Gesellschaft in Berlin. Alle Bemühungen Ludwigs können sie nicht besänftigen. Er versucht Pirmasens mit aller Gewalt zur Stadt auszubauen und errichtet nicht unweit von seinem Schloss für die Gräfin einen Lustgarten.

Caroline zieht mit ihren Kindern nach Darmstadt als Ludwig 1764 in österreichische Dienste tritt. Schon bald darauf am 17. Oktober 1768 stirbt der Vater Ludwigs. Der Erbe kommt nicht nach Darmstadt zu dessen Beerdigung. Sein Wunsch ist es sein Land von Pirmasens aus zu regieren. Das Leben am Hof ist ihm zuwider. Um die Schulden seines Vaters etwas abzubauen, trifft er umfangreiche Sparmaßnahmen am Hof und bei der Regierung. Das ihm dies nicht die Gunst der Darmstädter einbringt, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. In Darmstadt wird gespart und in Pirmasens wird allmählich die Garnison verstärkt und stabilisiert.

Caroline übernimmt nach und nach die Federführung in Darmstadt und auch zu den Fragen der Kindererziehung und Verheiratung wird der Gatte immer weniger gefragt. Bereits zu Anfang der Beziehung mit Ludwig befürchtet sie eventuelle Ähnlichkeiten der Kinder mit ihrem Vater, so dass sie alles daran setzt, sie von ihm abzugrenzen. Auch versucht sie, wie es Müttern oft eigen ist, optimale Verbindungen durch die Heirat mit anderen Herrschaftshäusern zu erreichen. Zu diesem Zwecke unternimmt sie mit drei ihrer Töchter die anstrengende Reise an den russischen Hof. Eine der ihren sollte in die engere Wahl kommen. In der Petersburger Zeit erholt sich Caroline und verbringt glückliche Tage. Die mühevolle Rückreise überanstrengt die Landgräfin jedoch so sehr, dass diese am 30. März 1774 erschöpft von der Reise und zu tiefst getroffen vom Tod ihrer Mutter in Darmstadt verstirbt. Den Wunsch, im Herrengarten in Darmstadt beigesetzt zu werden, gewährt ihr Ludwig, doch zur Trauerfeier kommt er nicht.

Die Tage, die beide mit einander verbrachten waren nicht von Glück begleitet. Zu unterschiedlich waren sie in ihren Charakteren. Lange Zeit beachteten die Pirmasenser nur Ludwig IX. Erst in der jüngsten Vergangenheit hat man auch begonnen in Pirmasens Caroline ein Andenken zu bereiten. Erst der Carolinensaal, dann eine Plastik .

Und heute gratulieren wir recht herzlich zu ihrem 300sten Geburtstag.