Oberbürgermeister Markus Zwick, Bov Bjerg, Kinga Tóth, Prof. Dr. Thomas Macho, Prof. Alfred Behrens

Hugo-Ball-Preis 2020

Preisträger mit Laudatoren und OB Markus Zwick
Hauptpreis: Bov Bjerg / Förderpreis: Kinga Tóth

Hugo-Ball-Preis

Hugo-Ball-preis

Hugo Ball Logo

Der Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens erinnert an den in Pirmasens geborenen Schriftsteller Hugo Ball (1886-1927).

Der Preis gliedert sich in einen Hauptpreis (10.000 €) und einen Förderpreis (5.000 €). Es werden herausragende Werke lebender Persönlichkeiten gewürdigt, die geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch arbeiten. Das sind zum Beispiel: Ein literarisches Werk oder Gesamtwerk, ein zeitkritisches Werk oder Gesamtwerk in philosophischer Grundhaltung, ein kunst-, theater- oder musikwissenschaftliches Werk oder Gesamtwerk. 

Der Hugo-Ball-Preis wird alle drei Jahre im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung vergeben. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich.


Pirmasens verleiht Hugo-Ball-Preis an Schriftstellerin Ilse Kilic. Der Förderpreis geht an die Jazz-Musikerin Anke Lucks

Die österreichische Schriftstellerin Ilse Kilic erhält den mit 10 000 Euro dotierten Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens. Der Förderpreis (5 000 Euro) wird an die Jazz-Musikerin Anke Lucks vergeben. Die Verleihung findet am Sonntag, 14. Februar 2027, im Forum Alte Post statt.  

Die öffentliche Matinee bildet den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, die an das Leben und Wirken des großen Stadtsohns erinnern, dessen Todestag sich 2027 zum 100. Mal jährt. Geplant sind Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und Vorträge sowie Installationen im öffentlichen Raum.  

„Ilse Kilic ist ein bodennaher Fixstern am Firmament der deutschsprachigen Experimentalliteratur“, heißt es in der Begründung der Jury. Lokal vernetzt und mit wacher Weitsicht beschäftige sich die 68-Jährige seit vielen Jahrzehnten mit den großen Fragen von Sprachphilosophie, Leben und Welt, die sie in ihrer stilsicheren, unvergleichlichen Punk-Ästhetik mithilfe von beantwortbaren Fragen erfasse. „Ob der Grundmodus Erzählung oder Essay ist, hoch ist der Unterhaltungsfaktor und diamanten die Härte und Schärfe der Gedanken“, urteilt die Jury weiter. 

In Wien geboren, gehört Ilse Kilic zu den prägendsten Künstlerinnen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Graphic Novel, Spiel- und Regelpoesie, Nicht-Erzählung und visuelle Poesie. Inhaltlich befasst sich Kilic mit den Lebensbedingungen von Personen inner- und außerhalb literarischer Texte. Dabei spielt Kritik der (gesellschaftlichen) Realität und Wirklichkeit eine ebenso große Rolle wie Sprachexperiment und das Spiel „mit und gegen die Regel“. Sie schafft Werke von sprachlicher Präzision und spielerischer Haltung, angelehnt an die Konzeption der Oulipo-Gruppe sowie an Punk- und Post-Punk-Haltungen. Seit 1986 sind viele ihrer Arbeiten mit Fritz Widhalm im gemeinsamen Kunstprojekt „Das fröhliche Wohnzimmer“ entstanden, einem multimedialen Raum, der Literatur, Zeichnung, Musik und Performance vereint. Zwischen 2006 und 2021 betrieben Ilse Kilic und Fritz Widhalm in einem Ladenlokal in der Wiener Josefstadt einen Treffpunkt zum literarischen, künstlerischen und solidarischen Austausch. Diesem war ein Glücksschweinmuseum mit über 700 Exponaten angegliedert. Kilic ist seit 2019 Präsidentin der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung und wurde für ihr Schaffen mehrfach ausgezeichnet, darunter 2016 mit dem Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien und dem Heimrad-Bäcker-Preis (2024). Ihre literarischen Arbeiten erscheinen seit 1996 zu einem großen Teil im Ritter Verlag (Klagenfurt). 

Die Jazz-Posaunistin und Komponistin Anke Lucks erhält den Hugo-Ball-Förderpreis. Die 51-Jährige stammt aus Mettmann und lebt seit 2000 in Berlin. Auf einer ihrer letzten CDs beschäftigte sich Lucks unter dem Titel „Gadjama“ mit dem Lautgedicht „Gadji beri bimba“ von Hugo Ball. 

Die Jury schreibt in ihrer Begründung: „Der Jazz ist immer noch eine Männerdomäne. Dabei müssen Jazzmusikerinnen sich immer noch gegen Widerstände Gehör verschaffen.“ Es habe in den Jahren 2023/24 eine harte Debatte um die Sicht- und Hörbarkeit von Jazzmusikerinnen auf Konzertbühnen und Jazzfestivals in Deutschland gegeben. Dass diese von einem männlichen Musiker stellvertretend losgetreten wurde, spreche Bände, heißt es weiter. Es gehe bis heute nicht um Quoten; es gehe um Qualitäten! „Eine große Jazzband um den Schlagzeuger Günther ‘Baby‘ Sommer, in der neben Anke Lucks auch weitere Musikerinnen spielen, nennt sich nun bereits ‘New Generation of Sister and Brotherhood of Breath‘. Immerhin!“ 

Lucks näherte sich ab 1995 durch verschiedene Musikstudien in Hannover und Boston dem Jazz. Von 2000 bis 2004 studierte sie Jazzposaune in Berlin. Rund zehn Jahre tourte sie als Posaunistin in unterschiedlichen Projekten und spielte Theater- sowie Filmmusiken. Seit 2015 widmet sie sich verstärkt eigenen Projekten, so näherte sie sich Kurt Schwitters „Ursonate“, einem globalen Manifest der Grenzüberschreitung in künstlerisches Neuland. Lucks hat zu diesem Lautgedicht eine Musik geschrieben, die sich zwischen freier Assoziation und komponierter Strenge bewegt. Die Rezitation wird dabei zur lautmalerischen Rhythmusmaschine, an die sich die Musik anpasst. 2016 feierte Lucks‘ musikalische Bearbeitung auf dem Berliner Theatertreffen seine Uraufführung. Im Nachgang hat sie zusammen mit dem Rezitator Thomas Krüger und dem Bläserquintett Fümms Bö Brass das Stück weltweit gespielt. 

Förderung für ihre Arbeit als Posaunistin und Komponistin erhielt Anke Lucks durch Stipendien des Berliner Senats, des Musikfonds und des Deutschen Musikrats. 2017 gründete Lucks zusammen mit Almut Schlichting und Christian Marien die „Insomnia Brass Band“. Das Trio wurde im April 2023 mit dem Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Band des Jahres“ ausgezeichnet.


Hugo-Ball-Preis 2027: Oberbürgermeister Markus Zwick beruft Vorschlagskommission

Der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick hat die Vorschlagskommission für den Hugo-Ball-Preis 2027 berufen. Dem dreiköpfigen Gremium gehören die Schriftsteller und ehemaligen Hugo-Ball-Preisträger Ann Cotten und Feridun Zaimoglu sowie der Schriftsteller, Kurator und Verleger Uwe Warnke an.  

2027 jährt sich der 100. Todestag von Hugo Ball. Aus diesem Anlass steht ein umfassendes Hugo-Ball-Jahr in Planung. Die Palette reicht von Konzerten, Theateraufführungen, Vorträgen, Lesungen bis hin zu Installationen im öffentlichen Raum. Zur Einleitung des Hugo-Ball-Jahres wird die Hugo-Ball-Preis-Vergabe, die regulär alle drei Jahre stattfindet, auf das Frühjahr 2027 verschoben.

Bis Frühling 2026 soll über die Trägerinnen oder Träger der Auszeichnung ein Konsens erzielt und den städtischen Gremien zur Zustimmung vorgelegt werden. Mit dem Literaturpreis werden Persönlichkeiten geehrt, die geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch im Sinne Hugo Balls (1886-1927) arbeiten. Der in Pirmasens geborene Schriftsteller hatte 1916 im Zürcher Cabaret Voltaire mit Dada eine der wichtigsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts begründet. Seit 1990 lobt die Stadt Pirmasens im Drei-Jahres-Rhythmus einen Hauptpreis aus, der mit 10.000 Euro dotiert ist, sowie ein Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro, der sich nach den erweiterten Richtlinien der Hugo-Ball-Preis-Vergabe an Kunstschaffende richtet, die sich in besonderem Maße gegen Ausgrenzung und Diskriminierung einsetzen. Die Verleihung findet zum Beginn des Hugo-Ball-Jahres im Frühjahr 2027 im Rahmen einer öffentlichen Matinee im Kulturzentrum Forum Alte Post statt.