Aufnahme Song für Pirmasens mit großem Publikum
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Schulen

Pirminiusschule: Siegerentwurf kommt aus Augsburg und Stuttgart

Auf einem rund 6 000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Neubau für die private Pirminiusschule entstehen. Dort werden – in Trägerschaft der HKS – Mädchen und Jungen mit ganzheitlichem Förderbedarf unterrichtet, die in der Stadt Pirmasens und dem Landkreis Südwestpfalz wohnen. Grundlage für das Raumprogramm für 190 Schüler war ein pädagogisches Konzept, das von der Pirminiusschule selbst erarbeitet wurde.

Von dem Großprojekt profitieren sollen auch Kinder der benachbarten Grundschule Husterhöhe – etwa durch die gemeinsame Nutzung einer Mensa, der Außenanlagen und einer modernen Sporthalle, die in einem zweiten Schritt perspektivisch entstehen könnte.

Insgesamt 22 Vorentwürfe von Planungsbüros und Arbeitsgemeinschaften aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden in der Sitzung des Preisgerichts bewertet und prämiert. Gefordert waren in dem nicht offenen hochbaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb Vorentwürfe für den Neubau der Pirminiusschule auf dem Areal der Husterhöhschule im Realisierungsteil. In einem Ideenteil wurden außerdem Vorschläge für einen Neubau der Grundschule Husterhöhe und einer Zweifeld-Sporthalle auf demselben Grundstück angedacht. Beurteilt wurden u. a. die städtebauliche, architektonische und freiraumplanerische Qualität, Erfüllung von funktionalen Anforderungen sowie die Umsetzung des pädagogischen Konzepts und die wirtschaftliche Realisierbarkeit.

 Der Wettbewerb ist mit insgesamt 235 000 Euro dotiert. Er wurde von der Heinrich-Kimmle-Stiftung ausgelobt und durch das städtische Hochbauamt in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Hille+Tesch betreut.

 Der Siegerentwurf im Überblick:

Durch eine Y-förmige, zweigeschossige Gebäudefigur entwickelt der Siegerentwurf einen eigenständigen Ansatz. Die starke Form wird dabei nicht ausschließlich als architektonische Geste verstanden, sondern entwickelt auch räumliche Qualitäten für den Campus in seiner Verzahnung mit dem Außenraum.

Durch das Auffächern des Baukörpers entstehen unterschiedlich gefasste Freiräume und vielfältige Beziehungen zwischen Innen und Außen, Gebäude, Überdachung und Außenraum fließen ineinander über. Zeitgleich bieten sie ein hohes Maß an Funktionalität im Bezug auf überdachte Ankunfts- und Aufenthaltsbereiche. Die städtebauliche Setzung schafft eine klare Adresse an der Husterhöhstraße und hält die Verkehrs- und Stellplatzflächen weitgehend aus der Campus-Mitte heraus.

Die durch den Baukörper entstehenden Außenräume besitzen unterschiedliche Charaktere und bieten gute Voraussetzungen für eine Differenzierung in Spiel-, Bewegungs-, Lern- und Rückzugsbereiche.

Im Inneren wird die Y-Figur konsequent weiterentwickelt. Die verschiedenen Schulstufen erhalten ablesbare Bereiche innerhalb des Gebäudes. Die Unterrichtsräume sind überwiegend an den Außenfassaden angeordnet, während ergänzende und gemeinschaftliche Funktionen die Cluster strukturieren. Die zentrale Mitte übernimmt mit Foyer, Mensa und weiteren gemeinschaftlichen Nutzungen eine wichtige verbindende Funktion.

Die Planungen von Heinrich-Kimmle-Stiftung und Stadtverwaltung sehen vor, zunächst Vertragsverhandlungen mit dem Erstplatzierten zu führen, um die Wettbewerbsidee zu einem detaillierten Entwurf weiterzuentwickeln. Erst auf Basis dieser Pläne kann eine belastbare Berechnung der Baukosten erstellt werden.

Ergebnisse:

  1. Preis: Löhle Neubauer Architekten BDA Partnerschaft mbB (Augsburg) mit Bäuerle Landschaftsarchitektur + Stadtplanung (Stuttgart)       68 000 Euro
  2. Preis: Sascha Wurm Architektur + Studioeuropa (München) mit OTTL.LA (München)                                                                                      42 000 Euro

Anerkennung (jeweils 12 500 Euro):

  • ARGE lep gsa luka ehser Architekten PartGmbB (Leipzig) + Gomilschak Schulz Architekten PartGmbB (Halberstadt) mit Raimund Braun, Dipl. Ing. Freier Landschaftsarchitekt (Nürtingen)
  • lüttinarchitekten bda (Konstanz) mit Planstatt Senner GmbH (Überlingen)
  • Werkgemeinschaft Landau Architektur und Innenarchitektur Sebastian Seegmüller PartGmbB (Landau) mit faktorgruen Landschaftsarchitekten bdla Beratende Ingenieure Partnerschaftsgesellschaft mbB (Freiburg)
  • ARGE thoma Architekten + 4a Architekten GmbH (Berlin) mit Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten PartGmbB (Esslingen)

Preisgericht:

Sachpreisrichter:

  • Markus Zwick, Oberbürgermeister Stadt Pirmasens
  • Marco Dobrani, Stiftungsvorstand Heinrich-Kimmle-Stiftung
  • Anne Dörthe Hammel, Rektorin Grundschule Husterhöhe
  • Michael Dickes, Schulleitung Pirminiusschule
  • Bianca Behncke, Vertretung Schulleitung Grundschule Husterhöhe

Stellvertretende Sachpreisrichterin:

  • Nadja Fahr, Konrektorin Pirminiusschule

Fachpreisrichter:

  • Prof. Annette Rudolph-Cleff, Architektin und Stadtplanerin, Darmstadt
  • Susanne Weihrauch, Landschaftsarchitektin, Solingen
  • Marius Puppendahl, Architekt, Münster
  • Prof. Alexander Reichel, Architektur, Kassel
  • Michael Burghaus, Architekt, Kaiserslautern
  • Kilian Schmitz-Hübsch, Architekt, Bingen

Stellvertretende Fachpreisrichterin:

  • Katharina Söllner, Landschaftsarchitektin Kitzingen

 

Hintergrund: Die Pirminiusschule wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Not heraus geboren. Prälat Heinrich Kimmle nahm sich gezielt geistig behinderten Kindern aus Pirmasenser Familien an.

Ab 1965 begann der Geistliche mit der Betreuung von acht Mädchen und Jungen in der Notkirche St. Elisabeth auf dem Sommerwald. Die Zahl der Kinder wuchs stetig an. Bereits zwei Jahre später wurden 68 junge Menschen in Kindergarten, Schule und Anlernwerkstatt betreut. Aus diesem Konstrukt heraus entwickelte sich ab 1973 die Caritas Kinderhilfe Pirmasens, die seit 2007 als Heinrich-Kimmle-Stiftung firmiert. 1968 erfolgte die Anerkennung als private christliche Simultanschule (öffentliche Ersatzschule).

Ab 1970 war die Pirminiusschule mit 98 Kindern in einem Provisorium in der Straße „Am Wasserturm“ untergebracht. 1979 erfolgte der Umzug in den Neubau am heutigen Standort mit damals 114 Schülern. 2007 wurde das Gebäude generalsaniert. Aktuell besuchen knapp 150 Schüler zwischen sechs und 18 Jahren die Einrichtung. Weil der Platz auf der Husterhöhe nicht mehr ausreicht, wurden sechs von 18 Klassen seit 2021 provisorisch in Containern ausgelagert, sowohl auf dem originären Schulgelände als auch seit Sommer 2025 am Hugo-Ball-Gymnasium.

Anfang der 1930er-Jahre entsteht die Siedlung auf dem Sommerwald. Dadurch werden Pläne für die Errichtung eines Schulhauses im Pirmasenser Norden vorangetrieben. Für 650 000 Reichsmark wurde die Husterhöhschule gebaut und 1938 fertiggestellt. Unterrichtet wurde dort allerdings erst ab 1940. Denn die Schule wurde für die Unterbringung der Westwall-Arbeiter zweckentfremdet. Den Zweiten Weltkrieg hat das Gebäude größtenteils unbeschadet überstanden. 1972/73 erfolgte erstmals eine gründliche Renovierung. Später wurde das Stammhaus um einen Neubau für 1,02 Millionen D-Mark erweitert, um Grund- und Hauptschüler unterbringen zu können. Aktuell teilen sich rund 134 Grundschüler in acht Klassen den Gebäudekomplex mit fast 250 Schülern der Landgraf-Ludwig-Realschule plus. Die zwölf Klassen der Stufen 5 bis 7 haben seit dem Jahr 2010 ihre Heimat auf der Husterhöhe gefunden, nachdem das Schulhaus am Nagelschmiedsberg aufgrund von baulichen Mängeln außer Betrieb genommen wurde. Perspektivisch sollen die Realschüler an den Standort in der Alleestraße zurückkehren, wenn dort ein Ersatzneubau entstanden ist. Nach dem Umzug wäre das Gebäude auf der Husterhöhe für die aktuell zweizügige Grundschule überdimensioniert.

Der akute Platzmangel an der Pirminiusschule, der erhebliche Sanierungsstau an der Grundschule Husterhöhe sowie der Bedarf an einer zusätzlichen Sporthalle waren 2024 Ausgangspunkt für die Vision eines Schulzentrums Nord. Die Realisierung soll in zwei zeitlich unabhängigen Schritten erfolgen. 

Entstehen soll der Gebäudekomplex auf einem rund 6 000 Quadratmeter großen Gelände der Husterhöhschule, das sich im Besitz der Stadt Pirmasens befindet. Um die zukünftige Nutzung des Grundstücks mit sinnvoller Aufteilung zu entwickeln, wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt. In dessen Mittelpunkt steht zunächst die Realisierung des Neubaus der Pirminiusschule – ausgelegt auf 190 Schüler in 24 Klassen. Dieser Grundsatzplanung hatten der Kreistag am 5. und der Pirmasenser Stadtrat am 11. November 2024 zugestimmt.

Die Planungen sehen vor, Vertragsverhandlungen mit dem Erstplatzierten zu führen, um die Wettbewerbsidee zu einem detaillierten Entwurf weiterzuentwickeln.

In einem sogenannten Ideenteil wurde außerdem die Möglichkeit aufgezeigt, wie perspektivisch auf dem Grundstück eine neue Grundschule Husterhöhe samt Zweifeld-Sporthalle aussehen könnte. Während vormittags die beiden Schulen dort Sportunterricht betreiben, stünde die Halle am Nachmittag und Abend Vereinen zur Verfügung. Dadurch sollen Synergien geschaffen und Inklusion ermöglicht werden. Ein verbindendes Element der beiden unterschiedlichen Schultypen soll eine Mensa darstellen, die differenziert oder gemeinsam genutzt werden kann.