Gedenkweg am Stelendenkmal

1. Station: Turnstraße 11

Die Turnstraße wurde während der NS-Zeit in „Holzweberstraße“ umbenannt. 1945 erhielt sie wieder ihren ursprünglichen Namen.

In der Turnstraße 11 lebten seit 1898 Emilie und Albert Blum mit ihren 3 Töchtern. Frau Blum stammte aus Bad Bergzabern und Herr Blum aus Vorderweidenthal. Herr Blum war Schuhgroßhändler und im Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. Die drei Töchter, Luisa Susanna, Paula Elisabeth und Maria Margaretha wurden alle in Pirmasens
geboren. Paula approbierte im Jahr 1924 zur Augenärztin, Maria erhielt ein Jahr später ihre Zulassung als Kinderärztin. Luisa hatte 1909 geheiratet.

Das Einwohnerbuch von 1936 belegt, dass Paula und Maria mit ihrer inzwischen verwitweten Mutter in diesem Haus lebten.
Die Spuren von Maria und Luisa verlieren sich. Bemerkenswerterweise ist auf der Geburtsurkunde
von Maria kein Vermerk zu finden dass sie den Beinamen Sara zu tragen hat, vermutlich hat sie
Pirmasens schon vorher verlassen.
Jüdische Bürgerinnen und Bürger waren verpflichtet ab dem 1 Jan. 1939 den Beinamen Sara bzw.
Israel zu tragen um eine eindeutige Erkennbarkeit ihrer jüdischen Herkunft zu erreichen.
Paula stirbt 1940 an Krebs im Krankenhaus der jüdischen Kultusvereinigung in Frankfurt.
Emilie Blum befindet sich zu dieser Zeit bei ihrer Tochter in Frankfurt, so geht es aus der
Sterbeurkunde hervor.
Ein halbes Jahr nach dem Tod ihrer Tochter Paula, nämlich am 22.10.1940, wird Emilie Blum,
zusammen mit 6500 anderen jüdischen Bürgern aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das
Internierungslager nach Gurs gebracht.
Gurs, am Rande der Pyrenäen unweit der spanischen Grenze liegend war das größte von 100
Internierungslagern die in Frankreich errichtet wurden, es konnte bis zu 20.000 Menschen aufnehmen
und diente bis zur Deportation der Juden aus dem Raum Baden, Pfalz, Saar als Auffanglager für
spanische Bürgerkriegskämpfer.
9 überfüllte Züge fuhren mehrere Tage lang bis sie ihr Ziel erreichten. Die dortigen Zustände waren
katastrophal. Holzbaracken auf lehmigem Boden, Latrinen zu denen man durch kniehohen Schlamm
laufen musste, Kälte, Hunger, Angst , Erschöpfung , harte körperliche Arbeit und vor allem die
Ungewissheit dessen was kommen würde führten zum Tod von vielen, besonders von alten,
geschwächten Menschen.
Von Gurs aus wurden auch Deportationszüge in die Massenvernichtungslager entsandt, weshalb
Zeitzeugen auch Gurs als die „Vorhölle von Auschwitz“ bezeichnet haben.
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Emilie Blum verstarb am 28.11.1940, sie wurde 74 Jahre alt.
Gauleiter Josef Bürckel vermeldete am Tag von Emilie Blums Deportation, welche auch als Wagner-
Bürckel-Aktion bekannt ist, ich zitiere:
„Die Pfalz ist judenfrei!“
Kurz darauf meldete die NSDAP in einem Schreiben an die Stadt, „dass die Wohnungen der
evakuierten Juden vorläufig möbliert vermietet werden können. Alle Wertgegenstände (Kunst,
Schmuck, Musikinstrumente, Sammlungen) auch Wäsche seien aus der Wohnung zu entfernen, zu
inventarisieren und gesondert aufzubewahren. „
Ein weiterer Schritt zur Enteignung aller Juden war eingeleitet.
Wir gehen jetzt hoch in die Ringstraße zum nächsten Gedenkort.

Mit der Turnstraße 11 beginnt der Rundweg am Stelendenkmal, der insgesamt 6 Stationen im Innenstadtbereich von Pirmasen umfasst. Einen Überblick über die Stationen und Schicksale finden Sie auf der Startseite des Rundgangs.

Zur zweiten Station: Ringstraße 36-38 Wegbeschreibung

An der zweiten Station wird der Familie Dreifuß und der Familie Schwarz gedacht.