Rundgang am Stelendenkmal

Station 3: Oppenheimer Tor

Warum Oppenheimer Tor?

Man baute ein drittes Stadttor, damit die Gärten, die vor der Stadtmauer lagen, besser erreichbar waren.  Juda Oppenheim, auf dem Weg zu seinem Garten,  (er lag da wo heute das Gebäude der Pirmasenser Zeitung ist)  traf auf die Arbeiter am neuen Stadttor. Der Durchbruch war wohl schon geschafft und er wollte durch das Tor gehen. Die Arbeiter fragten ihn, was er wohl geben würde, wenn er als erster durchlaufen dürfte und sie forderten etwas zu trinken (heute wohl ein Kasten Bier). Er war der Überlieferung nach der Erste, der durch dieses Tor schritt, und bis heute wird dieses Gebiet als Oppenheimer Tor bezeichnet. Erstaunlicherweise behielt es während der NS-Zeit seinen Namen. Viele Straßen wurden zwischen 1933 und 1945 umbenannt.

Pirmasens war Mitte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum jüdischer Kultur mit einer verstärkten Zuwanderung. 1880 beschloss man den Bau einer neuen Synagoge, welche 1884 im Judengässel, heute Synagogengasse, eingeweiht wurde. 42 Jahre später, 1926, wurde die Synagoge nochmals erweitert. Zu dieser Zeit hatte die jüdische Gemeinde 800 Mitglieder.

Juda Oppenheim, Bezirksrabbiner und Namensgeber des Tors, war ein sehr reformfreudiger Rabbiner und lebte zu dieser Zeit in Pirmasens.

Seine Predigt anlässlich der feierlichen Weihe einer neu geschriebenen Thora-Rolle war so beeindruckend, dass sie von Friedrich Philipp Deil  (Buchdrucker und Herausgeber des damaligen Pirmasenser Wochenblatts – heute Pirmasener Zeitung) gedruckt wurde. Juda Oppenheim hatte auch einen Synagogenchor gegründet, in dem etwa 40 Männer und Frauen gemeinsam sangen.

Bei einer Bar Mitzwa (Konfirmationsfest) erhielt der Synagogenchor Unterstützung von christlichen Pirmasenser Instrumentalisten. Die Gestaltung der Feier war so gut gelungen, dass sich die israelitische Gemeinde öffentlich für die „schöne That“ bedankte.

Ein Zeichen, dass die Pirmasenser Juden in das kulturelle Leben der Stadt integriert waren. Aber auch räumlich waren sie, entgegen zu anderen Städten, nicht in speziellen Vierteln angesiedelt, sondern konnten überall wohnen.

Nach dem Tode von Juda Oppenheim wurde das Bezirksrabbinat nach Zweibrücken verlegt.

Zur Zeit der Erweiterung der Synagoge (1926) hatte sich schon die größte pfälzische Ortsgruppe der NSDAP in Pirmasens formiert. Von Pirmasens wurde die gesamte Propagandaarbeit für die Reichstagswahlen 1924 geleistet. Die Propagandaschrift „Der Eisenhammer“ war ein antisemitisches Hetzblatt, herausgegeben von Gauleiter Josef Bürckel, welcher später maßgeblich für die Massendeportationen verantwortlich war.