Aufnahme Song für Pirmasens

Städtische Grünflächen werden erlebbar: Betreten und ernten erlaubt

Der ökologische Anbau saisonaler Nutzpflanzen soll Zugänge zu einer bewussten, gesunden Ernährung mit regionalem Charakter schaffen. Darüber hinaus leisten insektenfreundliche Blühoasen einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der biologischen Artenvielfalt.

 

Spalierobst, Weinreben und Gemüse hielten erstmals 2019 Einzug in die stadtweit verteilten Beete. Das Experiment ist auf enormes Interesse gestoßen. Bestärkt von den zahlreichen positiven Rückmeldungen wird das maßgeschneiderte Projekt daher dauerhaft fortgesetzt. Auch diesmal sind die Pirmasenser und ihre Gäste ausdrücklich zum Pflücken, Ernten und Naschen eingeladen.

 

Das Konzept verfolgt gleich mehrere Ansätze, wie Bürgermeister Michael Maas erklärt: „Wir möchten mit dem Anbau von Nutzpflanzen im Herzen unserer Stadt Lebensmittel sprichwörtlich erlebbar und die Jahreszeiten wieder konkret erfahrbar machen. Gleichzeitig soll ein Bewusstsein für gesunde Ernährung mit regionalen Produkten geschaffen werden“.

 

In diesem Sommer treffen Mangold, Kohlrabi und Gemüsepaprika auf Artischocken, Kopfsalat, Gurken und Tomaten. Currykraut, Basilikum, Rosmarin, Salbei und Minze sorgen für die passende Würze. Ausgediente Holzpaletten wurden zu Hochbeeten umfunktioniert. Diese einfache wie praktische Konstruktion soll zum Nachmachen anregen.

 

 

Weitaus mehr als nur ein optischer Blickfang ist der üppige Blumenflor. Bestimmt wird das Bild von Begonien, Geranien und Tagetes. Durch eine spezielle Sortenauswahl schaffen die Stadtgärtner ein Paradies für Insekten. Schmetterlinge, Hummeln & Co. fliegen sprichwörtlich auf Sonnenhut, Eisenkraut, Zauberschnee und Goldflöckchen. Auch Pflanzen mit einfachen, ungefüllten Blüten, wie etwa Roseneibisch und Schmuckkörbchen, bieten bestäubenden Insekten leichten Zugang, um an Nektar zu gelangen. Ergänzend dazu dienen Nisthilfen in den Beeten auf kleinstem Platz als effektive Rückzugsorte für Bienen und andere Nützlinge.

 

Längst hat der Klimawandel Einfluss auf den Sommerflor genommen. Die Beete, beispielsweise am Dr.-Robert-Schelp-Kreisel, vor dem Carolinensaal oder am Schloßplatz, werden so gestaltet, dass die Bepflanzung den Veränderungen gewachsen ist. Deshalb wurden Pflanzen gewählt, die auch über einen längeren Zeitraum Hitze gut wegstecken. Zu den Raritäten gehören die Schwarzäugige Susanne, Zwerg-Bananen und Südamerikanischer Salbei.

 

Die Schaffung insektenfreundlicher Blühoasen ist ein wesentlicher Teilaspekt der sogenannten Biodiversitätsstrategie. Bereits in der Vergangenheit wurden bis dato ungenutzte Grünstreifen entlang von Straßen oder Rasenflächen in Parkanlagen erfolgreich umgewidmet. Im laufenden Jahr wurde die Fläche auf jetzt insgesamt rund 170 000 Quadratmeter ausgedehnt. Zum Einsatz kommt dabei eine spezielle Samenmischung aus inländischen Wildgräsern und -blumen. „Auch hier übernehmen wir als Kommune Vorbildcharakter“, freut sich Bürgermeister Michael Maas auf zahlreiche Nachahmer. „Wir möchten Bürger ausdrücklich ermutigen, unsere Bemühungen zum Artenschutz zu unterstützen, indem sie zu Hause im eigenen Garten, auf dem Balkon oder vor dem Fenster blühende Paradiese für die kleinen Nützlinge schaffen“, appelliert der Gründezernent. Dementsprechend knüpft der an Pfingsten gestartete Pflanzwettbewerb „Pirmasens blüht auf“ an die Thematik an.