Von 1917 bis 1920 war Ball Mitarbeiter der Berner "Freien Zeitung". Er lernte viele politische Emigranten kennen, unter anderen auch Ernst Bloch. Die Kriegsschuld Deutschlands wurde für Ball das wichtigste Thema seiner Berner Jahre, das 1919 auch in seinem Buch "Zur Kritik der deutschen Intelligenz" ihren Ausdruck fand. Als die "Freie Zeitung" in Bern ihr Erscheinen einstellte, war den Balls die Haupterwerbsmöglichkeit genommen, und er entschloss sich, mit Emmy Hennings, die er am 21.2.1920 in Bern heiratete, und mit Stieftochter Annemarie nach Deutschland zurückzukehren.
In Deutschland allerdings konnten sie sich "nicht mehr zurechtfinden" und gingen deshalb im August desselben Jahres in die Schweiz zurück. Hier begann Ball mit hagiographischen Studien und Vorarbeiten zu seinem 1923 erschienenen Buch
"Byzantinisches Christentum".
Zum Jahresende 1920 machten die Balls Bekanntschaft mit Hermann Hesse, aus der sich eine feste Freundschaft entwickelte. Anfang 1924 überarbeitete Ball seine "Kritik der deutschen Intelligenz", die im selben Jahr unter dem Titel "Die Folgen der Reformation" erschien.
Dank finanzieller Unterstützungen konnten die Balls im
Oktober 1924 nach Italien reisen. Neben Aufsätzen fürs "Hochland" überarbeitete Ball seine Tagebücher zu dem autobiographischen Werk "Die Flucht aus der Zeit". Aus Italien im April 1926 zurückgekehrt, entstand in Sorengo bei Lugano, neben Korrekturarbeiten an der "Flucht aus der Zeit", der "Hochland"-Aufsatz "Der Künstler und die Zeitkrankheit". Danach folgte die Abfassung der "Hermann-Hesse"-Biographie. Ende März lieferte Ball das Manuskript beim Verlag S. Fischer ab.
Erste Symptome einer Erkrankung machten sich im Mai 1927 bemerkbar, und am 2. Juli fand im Zürcher Roten-Kreuz-Krankenhaus die Operation statt. Dabei wurde es zur Gewissheit, dass Hugo Ball unheilbar an Magenkrebs erkrankt war.
Nach seiner Rückkehr aus Zürich zog die Familie Ball nach S'Abbondio. Am 14. September 1927 ist Hugo Ball dort gestorben, und am 16. September wurde er auf dem Friedhof S'Abbondio begraben.
In einem Brief erzählte Ball seinen Werdegang: "Eine seltsame Führung und Fügung brachte es mit sich, dass ich überall in den Brennpunkt der Interessen gelangte: am Theater, in der Kunst, in der Philosophie, in der Politik."
Aus diesem Zitat heraus lässt sich die beeindruckende Vielfalt im Werk Hugo Balls erklären. Wenn er "überall in den Brennpunkt der Interessen gelangte", so war es zwangsläufig, dass er sich auch mit diesen Brennpunkten auseinandersetzte.
Mit seinen expressionistischen und dadaistischen Dichtungen zählt er zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts und ebenso zum Anreger späterer literarischer und künstlerischer Aktionen und Aktivitäten. Seine sprach- und theatertheoretischen Aufsätze werden häufig zitiert und analysiert, ebenso seine kultur- und zeitkritischen Texte und Gedanken.
Bald nach Hugo Balls Tod erschienen in großer Zahl Nachrufe in der deutschsprachigen Presse. Einige Aufsätze zu Leben und Werk regten eine Beschäftigung mit Ball an. Unterstützt wurde diese Auseinandersetzung durch zwei Ball-Monographien; 1931 legte Emmy Ball-Hennings die Biographie "Hugo Balls Weg zu Gott" vor, bereits 1930 war der Band "Hugo Ball. Sein Leben in Briefen und Gedichten" erschienen.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde Hugo Ball wegen seiner Kritik an der deutschen Mentalität völlig ignoriert und totgeschwiegen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen Neuauflagen einiger Bücher Balls. Die Wiederentdeckung des fast vergessenen, nur noch wenigen Kennern bekannten Schriftstellers und Dichters, erfolgte nur zögernd.
Über die Jahrzehnte hinweg hat nur die Hesse-Monographie eine vergleichsweise andauernde Wirkung gehabt und zahlreiche Neuauflagen erfahren. Mit dem langsam wachsenden Interesse am Dadaismus jedoch, dessen literaturhistorische Aufarbeitung durch das "Dritte Reich" lange verzögert wurde, vergrößerte sich Balls Bekanntheitsgrad.
Mitte der sechziger Jahre schließlich begann verstärkt auch die Literaturwissenschaft sich mit Hugo Ball, seiner Bedeutung und seinem Einfluss auf die Entwicklung der Literatur des 20. Jahrhunderts zu befassen. Belege dafür sind zahlreiche fachwissenschaftliche Aufsätze, Seminar- und Magisterarbeiten sowie Dissertationen. Seit 2003 erscheinen im Göttinger Wallstein Verlag Hugo Balls Sämtliche Werke und Briefe in zehn Bänden, herausgegeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zu Darmstadt in Zusammenarbeit mit der Hugo-Ball-Gesellschaft, die 1998 in Pirmasens gegründet wurde. Bisher liegen vor: Briefe (3 Teilbde., 2003), Die Folgen der Reformation / Zur Kritik der deutschen Intelligenz (2005), Hermann Hesse (2006), Gedichte (2007), Dramen (2008) und Michael Bakunin (2010).
Um der Ball-Forschung ein Forum zu schaffen, wurde 1970 in Pirmasens die Hugo-Ball-Sammlung gegründet und seit 1977 der Hugo-Ball-Almanach herausgegeben. Seit 1990 verleiht seine Geburtsstadt den Hugo-Ball-Preis.
Ernst Teubner / Eckhard Faul