Architekturbüro Walter Huber gewinnt Realisierungswettbewerb

Mit dem Abschluss des Realisierungswettbewerbs ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum geplanten Neubau einer Zweifeld-Sporthalle auf dem Areal des Turnverein Pirmasens (TVP) erreicht. Der Siegerentwurf stammt von dem Stuttgarter Architekturbüro Walter Huber. Die Pläne zeichnen sich durch hohe Funktionalität, ein zukunftsweisendes Energiekonzept und eine nachhaltige Architektur aus.

In der Sitzung des Preisgerichts am 4. Juni 2020 wurden die Vorentwürfe von insgesamt 25 Planungsbüros und Arbeitsgemeinschaften aus ganz Deutschland bewertet und prämiert. Der Jury gehörten Experten sowie Vertreter der Stadt Pirmasens und des TVP als dem Bauherrn an. Beurteilt wurden u.a. die städtebauliche und architektonische Qualität sowie die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 33 000 Euro dotiert. Er wurde vom TVP ausgelobt und durch das städtische Hochbauamt in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Hille+Tesch betreut.

„Ich bin glücklich über die mit Spannung erwartete Entscheidung. Der Siegerentwurf greift unsere Vision einer barrierefreien Halle auf, die alle Sparten unter einem Dach vereint“, so TVP-Vorstandsmitglied Dagmar Hoch. Oberbürgermeister Markus Zwick und Sportdezernent Denis Clauer freuen sich über die Perspektive: „Der TVP ist ein bedeutendes Aushängeschild für Pirmasens. Die vorliegenden Pläne bieten die Chance, eine moderne wie identitätsstiftende Heimstätte zu realisieren.“ Der Neubau sei ein weiterer wichtiger Impuls zur Entwicklung des Quartiers und schaffe dringend benötigte Kapazitäten für den Schulsport. Baubürgermeister Michael Maas betont die Vorreiterrolle des Projektes: „Die Sportstätte vereint durchdachte Funktionalität mit moderner, auf das Wesentliche reduzierter Architektur in Holz und Beton. Dabei bestechen die Entwürfe durch ein zukunftsweisendes Energiekonzept in Verbindung mit der Verwendung wertbeständiger naturnaher Baustoffe.“ 

Der Siegerentwurf im Überblick: Die Zweifeld-Sporthalle ist in ihren Funktionen klar strukturiert. Durch die strenge und konsequente Anordnung entsteht ein kompaktes und identitätsstiftendes Gebäude. Erschlossen wird die Halle über ein großzügiges und nach außen transparentes Foyer. Der Siegerentwurf ermöglicht eine flexible Nutzung der einzelnen Hallensegmente. Geplant ist ein schlichtes Gebäude – in Materialaufwand und Detailausbildung. Die Reduktion auf wenige Materialien und eine klare Geometrie geben dem Gebäude eine heitere und luftige Atmosphäre. Holz und Recycling-Beton prägen das Erscheinungsbild, wodurch ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit entsteht. Der zentrale Sanitär- und Technikkern ist aus Beton, die aufgehende Konstruktion der beiden Hallen sowie die Hülle bestehen hingegen aus Holz. Alles in einfachster Weise konstruiert, auf das Notwendigste reduziert. Ziel des Energie- und Nachhaltigkeitskonzeptes ist die Entwicklung eines ökologischen und ökonomisch optimierten Gebäudes, das hohen Komfortansprüchen gerecht wird und gleichzeitig niedrige Energiekosten in der Unterhaltung verursacht. Die Fassade im Passivhausstandard verfügt über eine Dreifachverglasung und garantiert eine gute Tageslichtversorgung. Dazu tragen auch die Oberlichter auf dem Hallendach bei. Auf dem Dach werden Photovoltaikmodule installiert, um umweltfreundliche, erneuerbare Energien zu gewinnen und den Strombedarf zu kompensieren. Hinzu kommt eine zentrale, mechanische Lüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung und bedarfsorientierter Regelung. Das Energiekonzept ist zukunftsweisend: Die Fußbodenheizung könnte mittels Wärmepumpe erfolgen. Dies hätte den Vorteil, dass sowohl der Wärmebedarf gedeckt werden kann als auch über eine stille Kühlung der Komfort an heißen Sommertagen verbessert wird. Der Warmwasserbedarf für die Duschen wird über Solarthermie gedeckt.

Die gemeinsamen Planungen von TVP und Stadt sehen vor, Vertragsverhandlungen mit dem Erstplatzierten zu führen, um die Wettbewerbsidee zu einem detaillierten Entwurf weiterzuentwickeln. Erst auf Basis dieser Pläne kann eine belastbare Berechnung der Baukosten erstellt werden. Diese Berechnungen bilden die Grundlage, dass der TVP beim Land Rheinland-Pfalz einen Förderantrag stellen kann. Bei ersten Vorgesprächen hatte das Land Bereitschaft signalisiert, sich im Rahmen seiner Förderrichtlinien und vorbehaltlich einer entsprechenden Überprüfung, mit 40 Prozent der förderfähigen Kosten an dem Projekt zu beteiligen. Die Stadt Pirmasens beabsichtigt – nach den Regeln der Vereinsförderung – , sich mit 20 Prozent an den Investitionskosten einzubringen. Der Anteil des TVP soll aus Eigenmitteln, eingeworbenen Spenden und gegebenenfalls über Zuwendungen aus Stiftungen aufgebracht werden.


Ergebnisse

Preis  Walter Huber Architekten GmbH (Stuttgart)                  13 200 Euro
Preis  MFG Architekten GmbH (Stuttgart)                                   8 250 Euro
Preis  mz³ Architekten Ingenieure GmbH (Mainz)                    4 950 Euro
 

Anerkennung:

Kaufmann Theilig & Partner, Freie Architekten PartGmbB (Ostfildern)   3 300 Euro

Kohlmayer Oberst Architekten (Stuttgart)                                                    3 300 Euro


Auf einen Blick: Ab Mittwoch, 10. Juni 2020, werden die Wettbewerbsergebnisse im Rahmen einer Ausstellung sieben Tage lang in der Messehalle 6A, Zeppelinstraße 11, präsentiert. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, Donnerstag (Fronleichnam) von 10 bis 14 Uhr, Freitag von 8 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 14 Uhr sowie Montag und Dienstag, 15. und 16. Juni, jeweils von 8 bis 16 Uhr.


Preisgericht:

Sachpreisrichter:

Markus Zwick, Oberbürgermeister

Michael Maas, Bürgermeister

Dagmar Hoch, TVP-Vorstandsmitglied

 

Stellvertretende Sachpreisrichter:

Denis Clauer, Beigeordneter

Karsten Schreiner, Leiter Stadtplanungsamt

Jörg Bauer, Stadtplaner

Manuela Sauer, TVP-Vorstandsmitglied

 

Fachpreisrichter:

Kilian Schmitz-Hübsch, Architekt, Bingen

Professor Ulrich Hamann, Architekt, Kaiserslautern

Ingrid Marx, Architektin, Stuttgart

Leo Noll, Architekt, Leiter Hochbauamt

 

Stellvertretende Fachpreisrichter:

Peter Strobel, Architekt, Kaiserslautern


Chronologie: Im Sommer 2017 hatte der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, den TVP bei der Realisierung des Großprojektes zu unterstützen. In enger Abstimmung mit dem Vereinsvorstand hat das städtische Hochbauamt einen Architekturwettbewerb ausgearbeitet und Ende 2019 auf den Weg gebracht. Für die Organisation und Koordination wurde das Büro Hille Tesch Architekten + Stadtplaner PartGmbH beauftragt.

Gefordert waren in dem einstufigen, nicht offenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil Vorentwürfe für eine Zweifeld-Halle, die vorrangig für Vereins-, Breiten- und Schulsport konzipiert ist. Ein Trakt soll u.a. Platz für drei Geräteräume, Haustechnik sowie Umkleiden mit Duschen und WC bieten. Vorgesehen sind zusätzlich Kabinen für Lehrer bzw. Schiedsrichter mit entsprechenden Sanitäreinrichtungen sowie ein Ausschank samt Lager. Vom Foyer aus soll auch die TVP-Geschäftsstelle erreichbar sein. Optional könnte in einem zweiten Bauabschnitt ein Saal für Kampfsport mit Aufwärmbereich entstehen. Dem Einsatz erneuerbarer Energien kommt vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit eine besondere Bedeutung zu. Eine wesentliche Rolle spielt zudem die Barrierefreiheit. Entstehen soll der Neubau auf dem alten Hartplatz. Die unbebaute Teilfläche des Vereinsgeländes hat eine Größe von knapp 7 650 Quadratmetern. Das Areal wird im Osten von der Bismarckstraße und im Westen von der Turnstraße begrenzt.

Hintergrund: Die TVP-Halle ist inzwischen 55 Jahre alt und weist erhebliche Baumängel auf. Für den Verein hat dies hohe Kosten für den Betrieb und die Unterhaltung zur Folge. Nach intensiven Untersuchungen und daraus resultierenden Investitionsaufwendungen hat sich der TVP aus wirtschaftlichen Gründen gegen eine Sanierung ausgesprochen. Bereits 2015 hatte die Stadtspitze im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung dem Verein die Unterstützung beim geplanten Neubau zugesichert. Mit der Realisierung des Projektes werden die Interessen des TVP und der Stadt Pirmasens zusammengeführt. Aktuell verfügen die Schulen in der zentralen Innenstadt nicht über ein ausreichendes Angebot an geeigneten Sporthallen, um den pädagogischen Bedarf optimal decken zu können. Vor diesem Hintergrund hatten sich TVP und Stadt dazu entschieden, einen Neubau möglichst als gemeinsames Projekt umzusetzen. Durch die kollektive Nutzung entstehen Synergieeffekte für beide Partner im Hinblick auf Gesamtinvestition sowie Kosten bei Betrieb und Unterhalt. Aufgrund der unterschiedlichen Trainingszeiten von Schulen und Verein kann die Halle mit zwei Normfeldern optimal ausgelastet werden. Während der Schulsport hauptsächlich vormittags stattfindet, bietet der Verein seine Übungseinheiten überwiegend am Nachmittag und bis in die Abendstunden hinein an.

Stichwort: Der Turnverein Pirmasens (TVP) ist auf das Engste mit der wechselvollen Geschichte der Siebenhügelstadt verknüpft. Am 23. November 1863 wurde der Verein durch die Brüder Karl und Philipp Lützel gemeinsam mit Georg Kröher gegründet. Um 1889 wurde mit dem Bau einer vereinseigenen Turnhalle begonnen. An gleicher Stelle in der Turnstraße erfolgte 1965 die Einweihung einer modernen Halle mit separatem Judo-Raum, Kegelbahn, Geschäftsstelle, Hausmeisterwohnung und Gaststätte. Die Immobilie ist inzwischen stark sanierungsbedürftig und soll mittelfristig aufgegeben werden. Der TVP hat nach eigenen Angaben aktuell rund
1 000 Mitglieder und ist damit der größte Verein in der Schuhstadt. In fast 20 Abteilungen bietet er ein abwechslungsreiches Sportangebot für alle Generationen von A wie Aikido bis Z wie Zumba. Die breit gefächerte Palette reicht von Turnen und Judo über Prellball und Orientalischen Tanz bis hin zum Cheerleading. Herz- und Rehasport ergänzen das Angebot. Ab 1953 entwickelt sich die „Jockelei“ zu einer tragenden Säule im Verein und gilt als eine der ersten Adressen für gelebte Saalfasnacht in der Südwestpfalz. Seit mehr als fünf Jahrzehnten verbindet den TVP eine enge Freundschaft mit Saint Louis de Poissy (SLP), dem größten Sportverein der französischen Partnerstadt Poissy. Den TVP-Vorstand bilden seit Juni 2016 Dagmar Hoch (Finanzen), Claudia Simon (Wirtschaft und Veranstaltungen), Manuela Sauer (Sport) und Karlheinz Ehl (Verwaltung).

 

BU: Der Siegerentwurf des Wettbewerbs stammt von dem Stuttgarter Architekturbüro Walter Huber. Das Modell zeigt die geplante Zweifeld-Sporthalle parallel zur Bismarckstraße mit dem dazwischenliegenden Foyer-Trakt für Umkleiden, und Sanitär sowie ein möglicher Erweiterungsbau für Kampfsport zur Turnstraße.

(Foto: Hille+Tesch)
Weitersagen
Lesezeichen / Empfehlung