Blumenbeete präsentieren sich als Nutzgärten und Insekten-Blühoase

Pirmasens bringt mehr Natur in die Stadt. Der ökologische Anbau saisonaler Nutzpflanzen schafft neue Zugänge zu einer bewussten, gesunden Ernährung und insektenfreundliche Blühoasen leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der biologischen Artenvielfalt.

„Mit unserem nachhaltigen Konzept ‘Pirmasens zum Essen gern‘“ und der Initiative zum Schutz der Bienen bringen wir das Stadtbild und den Zeitgeist in Einklang“, betont Gründezernent Michael Maas. In den kommenden Tagen verwandeln sich die öffentlichen Anlagen zu einem urbanen Nutzgarten. „Quer durch die zentrale Innenstadt können sich die Menschen zunächst an den knapp 2 000 blühenden Nutzpflanzen erfreuen, die sie dann später, wenn alles reif ist, auch ernten dürfen“, erläutert André Jankwitz, Leiter des Garten- und Friedhofsamtes.

Im vergangenen Jahr hielten Spalierobst, Weinreben und Gemüse erstmals Einzug in die Beete entlang der Schäferstraße, am Dr.-Robert-Schelp-Kreisel und vor dem Carolinensaal. „Das Experiment ist auf enormes Interesse bei unseren Bürgern gestoßen“, freut sich Michael Maas. Bestärkt von den zahlreichen positiven Rückmeldungen wird das maßgeschneiderte Projekt dauerhaft fortgesetzt. So sind die Pirmasenser und ihre Gäste auch heuer ausdrücklich zum Pflücken, Ernten und Naschen eingeladen. Das Konzept verfolgt gleich mehrere Ansätze: „Öffentlichen Grünflächen kommt eine zusätzliche Funktion zu, der Anbau von Nutzpflanzen lässt die Jahreszeiten wieder bewusst erfahrbar machen und wir schaffen ein Bewusstsein für gesunde Ernährung mit regionalen Produkten“, erklärt Maas.

In diesem Sommer treffen Rote Bete, Grünkohl und Süßer Spitzpaprika auf Artischocken, Tomaten und Auberginen. Petersilie und Scharfer Zitronen-Chili sorgen für die passende Würze. Zuckersüße Erdbeeren runden das facettenreiche Sortiment ab. Ausgediente Holzpaletten wurden zu Hochbeeten umfunktioniert. Diese einfache wie praktische Konstruktion soll zum Nachmachen anregen.

Weitaus mehr als nur ein optischer Blickfang ist der üppige Blumenflor. Bestimmt wird das Bild zwar von Begonien, Geranien und Tagetes, aber durch eine spezielle Sortenauswahl schaffen die Stadtgärtner ein Paradies für Insekten. Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Co. fliegen sprichwörtlich auf Leberbalsam, Sonnenhut, Eisenkraut, Prachtkerze und Südamerika-Salbei. Auch Pflanzen mit einfachen, ungefüllten Blüten, wie etwa Roseneibisch und Schmuckkörbchen, bieten bestäubenden Insekten leichten Zugang, um an Nektar zu gelangen. Ergänzend dazu entstehen aktuell Nisthilfen für Wildbienen und andere Nützlinge, die in Kürze in den Beeten zu finden sein werden. „Maja“ & Co. mögen es warm und vor allem trocken bei der Eiablage. Dafür bevorzugen die Tiere vorrangig röhrenförmige Strukturen wie etwas Holzklötze oder das Innere hohler Pflanzenstiele.

Längst hat der Klimawandel Einfluss auf den Sommerflor genommen. Die Beete wurden so gestaltet, dass die Bepflanzung den Veränderungen gewachsen ist. Zauberglöckchen, Zwerg-Papyrus, Männertreu und Edellieschen stecken die Hitze auch über einen längeren Zeitraum ganz gut weg. Zu den Raritäten gehören Elfenspiegel, Mottenkönig und Husarenknopf. Sie wurden, wie übrigens auch die restlichen 16 000 Pflänzchen, zum überwiegenden Teil in der Stadtgärtnerei „Am Rauschenbrunnen“ kultiviert.

Die Schaffung insektenfreundlicher Blühoasen ist ein wesentlicher Teilaspekt der sogenannten Biodiversitätsstrategie. Bereits in der Vergangenheit wurden bis dato ungenutzte Grünstreifen entlang von Straßen oder Rasenflächen in Parkanlagen erfolgreich umgewidmet. Im laufenden Jahr wurde die Fläche um 6 000 auf jetzt insgesamt 14 600 Quadratmeter ausgedehnt. Zum Einsatz kommt dabei eine spezielle Samenmischung aus inländischen Wildgräsern und -blumen. „Auch hier übernehmen wir als Kommune Vorbildcharakter“, freut sich Bürgermeister Michael Maas auf zahlreiche Nachahmer. „Wir möchten Bürger ausdrücklich ermutigen, unsere Bemühungen zum Artenschutz zu unterstützen, indem sie zu Hause im eigenen Garten, auf dem Balkon oder vor dem Fenster blühende Paradiese für Schmetterlinge, Hummeln und Bienen schaffen“, appelliert der Gründezernent.

Hintergrund: Pirmasens bewirbt sich als eine von bundesweit 15 Kommunen um das Gütesiegel „StadtGrün naturnah“. Das Prädikat wird jeweils für drei Jahre vergeben, danach besteht die Möglichkeit einer Rezertifizierung. Mit dem Label zeichnet das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ vorbildliches Engagement bei der naturnahen Flächengestaltung und -pflege im öffentlichen, aber auch im privaten Raum aus, um Mensch und Natur ein attraktives Lebensumfeld zu bieten. Im Jahr 2019 hat Pirmasens eine Biodiversitätsstrategie erstellt, um dem bereits bestehenden Grünflächenkonzept nachhaltige Impulse zu verleihen. Das umfangreiche Programm sieht u. a. die Schaffung weiterer insektenfreundlicher Blühwiesen im innerstädtischen Bereich vor, ebenso die naturnahe Gestaltung und Pflege von Parkanlagen, Spielplätzen und Grünflächen sowie die Verwendung heimischer Arten bei Baumpflanzungen.

Stichwort: Das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ mit Sitz in Radolfzell ist ein Zusammenschluss von mehr als 150 Kommunen, die im Naturschutz engagiert sind. Es stärkt die Bedeutung von Natur im unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen und rückt den Schutz der Biodiversität in den Blickpunkt. Visionen des Vereins sind grüne Kommunen als hochwertiger Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Entwickelt wurde das Gütesiegel „StadtGrün naturnah“ im Rahmen des Kooperationsprojektes „Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig“, das bis 2021 im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ durch das das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird. Im März 2018 haben das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ und die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) erstmals das Label „StadtGrün naturnah“ an fünf Städte verliehen. Für die Teilnahme am aktuellen, 2019 gestarteten Labeling-Verfahren wurden neben Pirmasens noch 14 weitere Kommunen aus Bayern (3), Baden-Württemberg (3), Hessen (3), Thüringen (1), Nordrhein-Westfalen (2), Sachsen (1) und Schleswig-Holstein (1) ausgewählt.

Mit dieser Auswahl will das Bündnis nach eigenen Angaben ein möglichst breites Spektrum an Kommunen bezüglich des Stands der Umsetzung, Einwohnerzahl und ihrer geografischen Lage abdecken.

                                                                                              www.stadtgruen-naturnah.de
Weitersagen
Lesezeichen / Empfehlung