„Auerhaus“: Erfolgsroman des Hugo-Ball-Preisträgers läuft im Kino

Im Herbst wurde dem Schriftsteller und Kabarettisten Bov Bjerg (54) der Hugo-Ball-Preis 2002 der Stadt Pirmasens zugesprochen. Gerade hatte die Verfilmung seines Erfolgsromans „Auerhaus“ Bundesstart. Ab kommenden Donnerstag, 12. Dezember 2019, wird der Streifen im Walhalla-Kinocenter gezeigt.

Unter der Regie von Neele Leana Vollmar („Mein Lotta-Leben“, „Maria, ihm schmeckts nicht“) wird ein feinfühliges Drama übers Erwachsenwerden erzählt, von einer Land-WG in Süddeutschland, von erster Liebe und frühem Leid, von pubertärer Verkniffenheit und sprachlosem Schmerz.

Im Auerhaus gründen die vier jungen Freunde Höppner, Frieder, Vera und Cäcilia unter den skeptischen Augen der dörflichen Nachbarn eine Schüler-WG. Die Vier finden es nämlich furchtbar, dass ihr Leben so durchgeplant erscheint. Und sie wollen Frieder helfen, der an Selbstmord denkt. Dabei will er sich gar nicht umbringen, sondern einfach nicht mehr leben. Nach kurzer Zeit stößt Pauline zu der Gruppe, sie ist eine Pyromanin, die wie Frieder vor Kurzem noch in einem Jugendheim war. So führen die fünf fortan ein selbstbestimmtes Leben, können tun und lassen, was sie wollen und damit sich gegenseitig und ihre Familien in ein gehöriges emotionales Chaos stürzen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Mauern des Auerhauses die Gruppe nicht mehr beschützen können...

Für die Hauptrollen wurde das Who-is-Who der deutschen Nachwuchsdarsteller verpflichtet, allen voran Damian Hardung („Club der roten Bänder“), Max von der Groeben („Fack Ju Göhte“-Reihe), Devrim Lingnau („Der Bozen Krimi“) und Luna Wendler („Dem Horizont so nah“).

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) urteilt in seiner Premierenkritik: „Der intensive Film ist tiefer, düsterer und allgemeingültiger als die üblichen Tenie-Geschichten und zugleich sehr lustig. Er schickt diese Heranwachsenden, die hier erstmals auf sich gestellt sind, durch das packend erzählte Gefühls-Chaos mitten ins Leben hinein.“

„Auerhaus“, der lakonische Roman aus dem Jahr 2015 wurde bereits mehrfach für die Bühne inszeniert, der Titel ist tatsächlich vom 80er-Hit „Our House“ von Madness inspiriert.

 

Auf einen Blick: Das Walhalla-Kinocenter, Landauer Straße 19b, zeigt „Auerhaus“ ab Donnerstag, 12. Dezember 2019, täglich um 17.50 Uhr. www.walhalla-kinocenter.de

 

 
Hintergrund: Der Schriftsteller und Kabarettist Bov Bjerg erhält den Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens. Die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro verbunden und wird im Rahmen einer öffentlichen Matinee am 23. Februar 2020 – dem Tag nach Hugo Balls Geburtstag – im Forum Alte Post verliehen.

 

Rolf Böttcher, so sein bürgerlicher Name, wurde 1965 in Heiningen (Landkreis Göppingen) geboren. Er studierte Linguistik, Politik- und Literaturwissenschaften in Berlin und Amsterdam. Er ist Absolvent des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Mit Freunden gründete er verschiedene Berliner Lesebühnen: Dr. Seltsams Frühschoppen, Mittwochsfazit, Reformbühne Heim & Welt. Sein erster Roman hieß „Deadline“, sein zweiter „Auerhaus“, letzterer ist von verschiedenen deutschen Theaterhäusern adaptiert und inszeniert worden.

 

„Bov Bjerg erhält den Hugo-Ball-Preis 2020 der Stadt Pirmasens für sein vielseitiges Werk als gesellschaftlich schreibender und handelnder Erzähler, als Autor der eingreifenden Performance in bester politischer Dada-Tradition“, so die Begründung der Vorschlagskommission. Ihr gehören der Berliner Drehbuchautor, Filmregisseur und Hörspielmacher Alfred Behrens, der in Wien lebende Kulturwissenschaftler und Philosoph Professor Dr. Thomas Macho sowie der freie Autor und Journalist Dr. Uwe Wittstock an.

 

Daneben wird ein mit 5 000 Euro dotierter Förderpreis an die deutsch-ungarische (Klang-) Poesie-Illustratorin, Sprachwissenschaftlerin, Schriftstellerin und Übersetzerin Kinga Tóth (36) vergeben. In ihrem künstlerischen Schaffen arbeitet sie oft spartenübergreifend. Darüber hinaus ist sie Songwriterin und Frontfrau des Projekts Tóth Kína Hegyfalu sowie unter anderem Vorstandsmitglied des József-Attila-Kreises für junge Schriftsteller. Die experimentelle Poesie und ihre Auftritte erinnern die Jury an die dadaistischen Performances im legendären Züricher Cabaret Voltaire.

 

Mit dem Preis wird das Gesamtwerk des in Pirmasens geborenen Schriftstellers Hugo Ball (1886-1927) gewürdigt, der u.a. 1916 im Züricher Cabaret Voltaire mit Dada eine der wichtigsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts begründet hat. Zu den früheren Trägern der Auszeichnung, die seit 1990 verliehen wird, gehören Oskar Pastior, Cees Nooteboom, Robert Menasse, Klaus Wagenbach, Patrick Roth, Feridun Zaimoglu, Max Goldt, Andreas Maier, Thomas Hürlimann und zuletzt Ann Cotten.                                                                  www.pirmasens.de/hugo-ball-preis.
Weitersagen
Lesezeichen / Empfehlung