PRESSEMITTEILUNG - 7.11.2019

Fontane-Biografie: Wie Preußen zu seinem besten Romancier kam

Die Hugo-Ball-Gesellschaft lädt in Zusammenarbeit mit dem Forum ALTE POST am Mittwoch, 27. November 2019, zu einer Lesung in den Elisabeth-Hoffmann-Saal ein.
Der Berliner Literaturwissenschaftler und Publizist Hans Dieter Zimmermann stellt seine neue, im C.H.Beck Verlag erschienene Biographie über Theodor Fontane vor. Der 79-jährige Autor hat sein Buch ausdrücklich dem „preußischen Romancier“ gewidmet.
 
In seinem Werk zeichnet Hans Dieter Zimmermann das an harter Realitätserfahrung reiche Leben Fontanes nach, das ihn mit allen Schichten der preußischen Gesellschaft in Berührung brachte. Er widmet nicht nur den Romanen und Balladen seine Aufmerksamkeit, sondern ebenso den Reiseberichten, Kriegstagebüchern, Theaterkritiken, Gelegenheitsgedichten – und nicht zuletzt den Briefen des größten Realisten der deutschen Literatur, dessen Geburtstag sich am 30. Dezember 2019 zum 200. Mal jährt.
 
Fontane gilt als als der bedeutendste Vertreter eines poetischen Realismus. Bemerkenswert ist, dass er seine berühmten Romane wie „Irrungen Wirrungen“, „Effi Briest“ oder „Der Stechlin“ alle erst nach seinem 60. Lebensjahr geschrieben hat. Geboren 1819 in Neuruppin, lernte Fontane zunächst wie sein Vater den Beruf des Apothekers, bevor er sich mit 30 Jahren entschloss, freier Schriftsteller zu werden. Erste literarische Erfolge feierte er als Balladendichter, seinen Lebensunterhalt bestritt er als Journalist und Theaterkritiker. Auch in der Politik versuchte der preußische Hugenotte sein Glück: im März 1848 auf den Barrikaden, 14 Jahre später dann für König und Vaterland auf der Liste der Konservativen. Vom Bewunderer Bismarcks entwickelte sich der reifende Autor zu dessen erbittertem Gegner. Für „Deutschlandfunk Kultur“ macht die Biografie Hans Dieter Zimmermanns „Lust darauf“, eines der Bücher Fontanes „oder mehrere zum ersten Mal – oder wieder – zu lesen“. Professor Michael Braun, Literatur-Referatsleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, urteilt über die Neuerscheinung: „Zimmermanns Buch liefert eine grundsolide, sympathische Biographie, die Fontanes Weg zum Romancier Preußens, der sich nicht als preußischer Romancier eingemeinden lässt, aus dem Geiste eines menschenfreundlichen und zeitkritischen Schreibens nachzeichnet."
 
Auf einen Blick:
Auf Einladung des Forum ALTE POST in Zusammenarbeit mit der Hugo-Ball-Gesellschaft stellt Hans Dieter Zimmermann am Mittwoch, 27. November 2019, im Elisabeth-Hoffmann-Saal sein neues Buch „Theodor Fontane – Der Romancier Preußens“ vor. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet sieben Euro. Für Schüler im Klassenverband und Mitglieder der Hugo-Ball-Gesellschaft ist der Eintritt frei. Verbindliche Kartenreservierungen sind möglich; entweder telefonisch unter der Rufnummer 06331/2392716 oder per E-Mail unter .
 
Literatur-Tipp:
Hans Dieter Zimmermann
„Theodor Fontane – Der Romancier Preußens“
458 Seiten mit 18 Abbildungen
ISBN: 978-3-406-73437-3
Verlag C.H. Beck, München
Preis: 28 Euro
 
Zur Person: Hans Dieter Zimmermann, geboren 1940 in Bad Kreuznach, ist Professor em. für Literaturwissenschaften an der TU Berlin. Er hat u.a. Bücher zu Kleist, Kafka und Robert Walser vorgelegt und die „Tschechische Bibliothek“ in deutscher Sprache herausgegeben. 2015 hat er den Kunstpreis zur deutsch-tschechischen Verständigung erhalten. Im Rahmen der Hugo-Ball-Gesamtausgabe gab er den Band „Die Folgen der Reformation. Zur Kritik der deutschen Intelligenz“ heraus. Diesen hat er 2005 ebenso in Pirmasens vorgestellt wie zuvor sein Buch über die Brüder Fritz und Martin Heidegger. Seit 2007 ist er Erster Vorsitzender der Hugo-Ball-Gesellschaft.

Hintergrund: Pirmasens und Hugo Ball
Die Pflege des künstlerischen Erbes Hugo Balls (1886 – 1927) hat sich die Stadt Pirmasens bereits vor mehr als vier Jahrzehnten zum Anliegen gemacht. Um der Ball-Forschung ein Forum zu schaffen, wurde 1970 in Pirmasens die Hugo-Ball-Sammlung gegründet. Seit 1977 wird der Hugo-Ball-Almanach herausgegeben. Die literaturwissenschaftlich ausgerichtete Sammlung verfügt über rund 6.000 Bücher, Dokumente und Objekte. Mittelfristig ist geplant, dass die Hugo-Ball-Sammlung einen neuen Standort beziehen soll, an dem auch Literaturwissenschaftler qualifiziert ihren Forschungen nachgehen können.
www.pirmasens.de/hugoball

Die Hugo-Ball-Gesellschaft wurde am 23. Januar 1998 in Pirmasens, dem Zentrum der Hugo-Ball-Forschung, gegründet. Die Initiative dazu ging von Mitarbeitern des Hugo-Ball-Almanachs und Mitgliedern des Beirates für den Hugo-Ball-Preis aus. Der Hugo-Ball-Gesellschaft gehören namhafte Literaturwissenschaftler, Künstler, aber auch Literaturliebhaber an, die sich für das Werk des Schriftstellers interessieren und engagieren. Erklärtes Ziel ist es, die Gesammelten Werke von Hugo Ball herauszugegeben. Darüber hinaus will die Gesellschaft die Stadt Pirmasens beim weiteren Ausbau der Hugo-Ball-Sammlung, bei der Herausgabe des „Hugo-Ball-Almanach“ und anderen Aktivitäten wie etwa Publikationen, Ausstellungen, Aufführungen und Vorträgen unterstützen.       
www.hugo-ball-gesellschaft.de

Dem Helden der Avantgarde hat die Stadt Pirmasens mit dem Hugo-Ball-Kabinett einen angemessenen Platz im Nordflügel des Forum ALTE POST gewidmet. In der interaktiven Dauerausstellung erhalten Besucher seit November 2016 auf ganz besondere Weise einen effektvollen Überblick über Leben und Wirken des großen Stadtsohnes. Auf knapp 180 Quadratmetern und in drei ineinander übergehenden Räumen sind zahlreiche Fotografien, Grafiken, Texte und Zeitungsartikel von und über Hugo Ball versammelt. Einzelne Themen der Ausstellung beleuchten die unterschiedlichsten Prinzipien des Lautgedicht-Pioniers und Wissenswertes zu Dada als Gesamtkunstwerk mit Aspekten wie Kindlichkeit, Zufall und Musik vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs. In regelmäßigen Abständen werden offene Führungen angeboten. Workshops für Gruppen und Schulklassen sind ebenfalls buchbar.                                                                                            
www.forumaltepost.de
 
Seit 1990 lobt die Stadt Pirmasens im Drei-Jahres-Rhythmus den mit 10.000 Euro dotierten Hugo-Ball-Preis aus. Mit dem Literaturpreis werden Persönlichkeiten geehrt, die geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch im Sinne Hugo Balls arbeiten. Der in Pirmasens geboren Schriftsteller hatte 1916 mit Dada im Züricher Cabaret Voltaire eine der wichtigsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts mitbegründet. Am 23. Februar 2020 wird der Schriftsteller und Performer Bov Bjerg im Rahmen einer öffentlichen Matinee mit dem Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens im Forum Alte Post ausgezeichnet. Der Förderpreis geht an die deutsch-ungarische Klang-Poesie-Illustratorin und Sprachwissenschaftlerin Kinga Tóth. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Oskar Pastior, Cees Nooteboom, Robert Menasse, Klaus Wagenbach, Patrick Roth, Feridun Zaimoglu, Max Goldt, Andreas Maier, Thomas Hürlimann und Ann Cotten.

Der Literaturwissenschaftler und Publizist Hans Dieter Zimmermann ist am 27. November 2019 im Forum ALTE POST zu Gast. Im Elisabeth-Hoffmann-Saal stellt er seine Fontane-Biografie vor.
(Foto: Elizabeth Zimmermann)

Die Biografie „Theodor Fontane – Der Romancier Preußens“ ist im Münchner Verlag C.H.Beck erschienen und im Museums-Shop des Forum ALTE POST erhältlich.
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