Felsentreppe: Mosaik-Künstlerin hängt erste Fliesenelemente auf  

In Pirmasens entsteht derzeit das wahrscheinlich größte Mosaik in Rheinland-Pfalz. Der bisher schmucklose Turm der Felsentreppe in der Schäferstraße verwandelt sich durch eine schillernde Verkleidung zu einem echten Hingucker – mit farbenfrohen Motiven aus Flora und Fauna. Das einzigartige Kunstprojekt soll das Stadtbild verschönern, die Lebensqualität erhöhen und gleichzeitig auf das Artensterben hinweisen. Immer mehr Vögel schaffen es nicht, sich dem raschen Tempo des Klimawandels anzupassen, wie Forscher herausgefunden haben. 

Die aus Chile stammende Künstlerin Isidora Paz-López hat in den vergangenen zwölf Monaten zusammen mit mehr als 50 Spezialisten aus 24 Ländern insgesamt rund 10 000 Arbeitsstunden in das Mosaik-Projekt gesteckt. Mehrere tausend Keramikfliesen wurden so im „gläsernen Atelier“ in kleinteiligen Prozessen zu passenden Mosaikteilchen (zwischen sechs und zwölf Millimetern) verarbeitet. Befreundete Künstler, die nicht nach Pirmasens kommen konnten, um sich vor Ort aktiv und unentgeltlich einzubringen, haben ihre Beiträge per Post nach Pirmasens geschickt. So sind letztendlich 170 Vogel-Motive aus aller Herren Länder ins temporäre Atelier im Rheinberger-Komplex geflattert. 

Parallel dazu wurde planmäßig - zwischen Mitte Juni und Mitte September 2019 - die Felsentreppe instand gesetzt. Die Maßnahmen zur Ertüchtigung des Funktionsbauwerkes (Baujahr 1969/70) wären ohnehin notwendig gewesen, da der Zahn der Zeit am Beton genagt hat. Die Arbeiten sind weitestgehend abgeschlossen, derzeit wird noch das neue Geländer montiert. In der kommenden Woche beginnt Isidora Paz-López mit der Montage der einzelnen Fliesenelemente. Diese werden mittels eines speziellen Zweikomponentenklebers angebracht. Bis zum Abschluss der Arbeiten bleibt die Felsentreppe weiterhin für Fußgänger gesperrt. Das bestehende Gerüst mit Planen bietet der Künstlerin bei der anstehenden Montage Schutz vor Regen und anderen Witterungseinflüssen.   


Hintergrund: Wie das alte Rom auf sieben Hügeln erbaut, ist das Pirmasenser Stadtbild geprägt von zahlreichen Treppen, deren Steigung und Stufenwerk nicht nur die Besucher, sondern auch manchen Einheimischen aus der Puste bringen. Zwei große Felsenwände durchziehen die Stadt von Norden nach Süden. Insgesamt 137 Treppen und Treppenanlagen mit über 3 000 Stufen sind im Stadtarchiv verzeichnet. Zu den bekanntesten Funktionsbauwerken zählt die aufwändig gestaltete Schloßtreppe mit integrierter Brunnenanlage. Die heutige Felsentreppe wurde 1908 gebaut und löste den ursprünglich in Serpentinen angelegten Felsenbergpfad ab. Das Funktionsbauwerk verbindet über 131 Stufen die Schäfer- mit der Bahnhofstraße. Die Baumaßnahme umfasst die Sanierung der gesamten Betonkonstruktion sowie der Installation neuer Geländer und einer modernen wie energiesparenden LED-Beleuchtung. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 195 000 Euro. Die Planung liegt in Händen des Ingenieurbüro Thiele Tragwerksplanung GmbH (Pirmasens); die Arbeiten zur Betonsanierung wurden von der Firma BBR Bausanierungen GmbH (Eppelborn) ausgeführt. 


Stichwort: Für die Realisierung des deutschlandweit einmaligen Projektes konnte das Stadtmarketing gemeinsam mit dem Pirmasens Marketing e.V. die aus Chile stammende Künstlerin Isidora Paz-López verpflichten. Unterstützt wird die 43-Jährige von 50 Mosaikkünstlern aus 24 Ländern, die sich unentgeltlich an der Realisierung des großflächigen Fliesenbildes beteiligen. Darüber hinaus haben zahlreiche Künstler aus der ganzen Welt ihre Vogelmosaike per Post nach Pirmasens geschickt, wo sie in das Gesamtkunstwerk eingebaut werden. Ähnliches wie jetzt in Pirmasens hat Isidora Paz-López bereits zuvor in der chilenischen Hauptstadt realisiert. So zeigen heute die Mauern einer U-Bahn-Station in Puente Alto die farbenfrohe Silhouette eines pittoresken Gebirges. Die veranschlagten Kosten für das Pirmasenser Projekt in Höhe von 50 000 Euro werden durch eine großzügige Zuwendung der Liselott-und-Klaus-Rheinberger-Stiftung gedeckt. Unterstützt wird das Projekt von Villeroy & Boch sowie von Agrob Buchtal, zwei der führenden deutschen Keramikfliesenhersteller. Die Verwaltung hatte den Hauptausschuss in der Sitzung am 3. September 2018 mit der künstlerischen Gestaltung befasst. Das Mosaik-Projekt stellt einen weiteren Baustein zur Aufwertung der Innenstadt dar. 


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