PRESSEMITTEILUNG - 9.5.2019

Forum ALTE POST: Puppenspiel über den Bauhaus-Meister Paul Klee
 

Aus Anlass des 100. Geburtstags der revolutionären Bauhaus-Bewegung rückt die Stadt Pirmasens mit einer Vielzahl thematisch breitgefächerter Veranstaltungen Konzept und Wirken der künstlerisch-handwerklichen Avantgarde in den Mittelpunkt. Das Puppenspiel „Über den Klee“ ist ein weiterer Höhepunkt innerhalb der Jubiläumsreihe. Am Freitag, 7. Juni 2019, öffnet sich im Forum ALTE POST der Vorhang für eine außergewöhnliche Hommage an den Maler, Grafiker und Bauhaus-Meister Paul Klee.
 
Die Verbindung von Kunst und Spiel gehörte zum Konzept der Bauhaus-Schule. So entwarfen und gestalteten viele Bauhäusler neben ihren Werkstattarbeiten immer auch Spielzeug für Kinder. Zwischen 1916 und 1924 schuf der Bauhaus-Meister Paul Klee etwa 50 Handpuppen für seinen Sohn Felix. Mit 14 Jahren war Felix Klee der jüngste Schüler am Bauhaus und beschäftigte sich ebenfalls künstlerisch mit dem Puppenspiel. Die Figuren, die der Vater für seinen Sohn kreierte und immer im Familienbesitz blieben, bilden die Vorlage für Repliken, die eigens für die Gemeinschaftsproduktion der renommierten Theater-Compagnie United Puppets nachgebaut wurden.  
 
Es sind hinreißende Zwittergeschöpfe, Objekte zwischen Kunstwerk und Spielzeug, changierend zwischen bizarren, grotesken und komischen Körpern, die Köpfe geformt aus Alltagsabfall wie Rindsknochen, Steckdosen und Borstenpinseln, die Kostüme aus Fellstückchen, Stoffresten, mit Farbe vervollständigt. Sie sind das Ergebnis eines Dialogs zwischen Erwachsenem und Kind, Vater und Sohn, spielerische, private Bastelarbeiten, mit denen er seine Zeitgenossen porträtierte: Opernhelden, Familienmitglieder und Freunde, die aber gleichzeitig Vorstellungen und Figuren der Klee’schen Bilderwelt spiegeln.
 
Klees faszinierende Handpuppen dienen als Figuren eines liebevoll und mit hintergründigem Humor inszenierten Stücks über den Maler. Die Handlung bewegt sich München-Schwabing, dem Blauen Reiter, Tunesien, dem Bauhaus, der Ausstellung „Entartete Kunst“ und dem Atelier im Obstweg in Bern. Während Klee zumeist an der heimischen Staffelei steht, um sich Miete und Unsterblichkeit zu ermalen, dringt unablässig Leben von draußen ein: eine kunstliebende Vermieterin, der Dichter Rainer Maria Rilke, eine geschäftstüchtige Galeristin, die personifizierte Krise und das Ehepaar Tod. Dazwischen erklären die Figuren schon mal, wie Kunst – und insbesondere die Paul Klees – funktioniert, so genial einfach und amüsant, wie es wohl nur gutes Puppentheater kann.

Auf einen Blick:
Das Puppenspiel „Über den Klee oder Der Knochen in meinem Kopf“ wird am Freitag, 7. Juni 2019, im Forum ALTE POST aufgeführt. Die Vorstellung im Elisabeth-Hoffmann-Saal beginnt um 20 Uhr. Das Stück (Dauer: 75 Minuten) ist für Erwachsene sowie Kinder ab zwölf Jahren geeignet. Eintrittskarten (inklusive Garderobengebühr) zum Preis von 25 Euro, ermäßigt 12,50 Euro, sind im Vorverkauf beim Kulturamt im Rathaus am Exerzierplatz, Telefon: 06331/842352, E-Mail: erhältlich. Die Abendkasse im Forum ALTE POST ist am Veranstaltungstag ab 19 Uhr geöffnet.

Zur Person:
Paul Klee war Linkshänder, konnte aber beidhändig malen. Viele seiner Bauhaus-Studenten waren von seinen künstlerischen Fähigkeiten derart beeindruckt, dass sie ihm eigene Werke widmeten.
 
Zwischen 1899 und 1906 studierte Paul Klee in München an der Privatschule von Heinrich Knirr und danach an der Kunstakademie bei Franz von Stuck. 1910 fand in der Schweiz erstmals eine Einzelausstellung von Klee statt. In den folgenden Jahren baute er Kontakte zu den Künstlern Alfred Kubin und Wassily Kandinsky auf. In dieser Zeit nahm er auch an der zweiten Ausstellung des Blauen Reiters teil. 1912 reiste er nach Paris und lernte Künstler der französischen Avantgarde wie Robert Delaunay und Henri Le Fauconnier kennen. 1913 stellte Herwarth Waldens Galerie Der Sturm in Berlin Werke von Klee aus. Außerdem war er mit Werken im Ersten Deutschen Herbstsalon in Berlin vertreten. 1914 unternahm er zusammen mit August Macke und Louis Moilliet eine Reise nach Tunis und Kairouan. Im selben Jahr wird er Mitbegründer der Neuen Münchener Sezession. 1919 nahm ihn der Münchener Galerist Hans Goltz unter Vertrag. Ebenfalls 1919 wurde Klee Mitglied im Rat bildender Künstler Münchens und im Aktionsausschuss Revolutionärer Künstler in München. 1920 folgte in der Galerie Goltz die erste große Einzelausstellung mit über 362 Werken von Klee.
Walter Gropius berief Klee 1920 an das Staatliche Bauhaus in Weimar. 1921 wurde er Leiter der Buchbinderwerkstatt, 1922 Leiter der Metallwerkstatt und von 1922/23 bis 1925 Leiter der Glasmalereiwerkstatt. Von 1921 bis 1924–1925 unterrichtete Klee in Weimar seine Elementare Gestaltungslehre im Vorkurs. 1924 wurde in New York eine erste Ausstellung zu Klee organisiert. Im selben Jahr war er zusammen mit den Künstlern Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger Mitbegründer der Gruppe „Die Blauen Vier”. Ein Jahr später organisierte die Pariser Galerie Vavin-Raspail erstmals in Frankreich eine Ausstellung mit Werken von Klee. 1925 erschien Klees „Pädagogisches Skizzenbuch” als zweiter Band der im Bauhausverlag herausgegebenen Reihe Bauhausbücher.
Von 1925 bis 1930 unterrichte er am Bauhaus Dessau seine Elementare Gestaltungslehre im Vorkurs. Von 1926–1927 bis 1930 war er Leiter des Unterrichts in Freier plastischer und malerischer Gestaltung, ab 1927 leitete er die Freie Werkstatt Malerei bzw. Freie Malklasse. Von 1927 bis 1929–1930 unterrichtete er Gestaltungslehre in der Weberei. Klee verließ das Bauhaus am 1.4.1931.
 
Nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus 1931 erhielt er bis 1933 eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihm fristlos gekündigt. Noch im selben Jahr kehrte er in die Schweiz zurück. Das NS-Regime erklärte Klees Werke als entartet. 1937 veranstaltete die Berner Kunsthalle eine Retrospektive zu seinem œuvre. Klee starb 1940 nach langer Krankheit in Muralto bei Locarno.

„Über den Klee“ ist Puppentheater der Extraklasse als eine Hommage
an 100 Jahre Bauhaus und den Maler Paul Klee. (Foto: Mario Hohmann)
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