Enge Verzahnung von Forschung, Entwicklung und Produktion

In Pirmasens ist das Wissen rund um den Schuh und seine Herstellung zuhause. Die vergangenen 200 Jahre haben den Ruf der Stadt als Deutsche Schuhmetropole geprägt. Trotz eines beispiellosen tiefgreifenden Strukturwandels ist der größte Teil der deutschen Schuhherstellung noch heute in der Siebenhügelstadt und der Südwestpfalz beheimatet, erst recht die Entwicklung, das Know-how, das Design und der Handel.

Dieses vielschichtige Kompetenzcluster ist weltweit einzigartig und bildet ein Alleinstellungsmerkmal des Wirtschaftsstandortes Pirmasens. Dessen nachhaltige Attraktivität hat sich mit der Gründung des „Technopole-Park der Wissenschaften“ seit Beginn der 2000er Jahre kontinuierlich verbessert. Einer langfristigen Strategie folgend, wurde die ehemalige US-Liegenschaft Bunker-Hill systematisch entwickelt, um das komplementäre Fachwissen rund um den Schuh in ein und demselben Quartier zu bündeln. Dieses reicht von praxisnaher Forschung und Lehre über die Entwicklung von Produkten und Technologien zur Serienreife inklusive Qualitätssicherung bis hin zur praktischen Umsetzung und Vermarktung.

Parallel zur benachbarten Hochschule (u.a. mit dem Studiengang Kunststoff-, Textil- und Ledertechnik) wurde das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e.V. (PFI) angesiedelt. Darüber hinaus haben das Internationale Schuhkompetenz Center Pirmasens gGmbH (ISC) und die renommierte Deutsche Schuhfachschule (DSF) ihren Sitz auf der Husterhöhe.

Zur Lösung immer komplexer werdender Fragestellungen bedient sich die global agierende Schuhbranche zunehmend einer interdisziplinären Vernetzung. In Zukunft wird die Verzahnung aus Forschung, Entwicklung und Produktion noch ein Stück weit enger als dies bisher schon der Fall war. 

Die Solor Schuhforschung und Entwicklung GmbH (https://www.solor.de), in Pirmasens ansässiger und europaweit aktiver Spezialist für Orthopädieschuhtechnik, zieht auf die Husterhöhe. Dafür soll noch im laufenden Jahr auf dem ehemaligen Bunker-Hill-Gelände an der Carl-Schurz-Straße ein Neubau mit 3.240 qm teilweise zweistöckig überbauter Grundfläche entstehen. Den Weg bereitet der vereinbarte Kauf eines über 8.000 qm messenden Doppelgrundstücks von der Stadt Pirmasens, das zunächst als Erweiterungsfläche für die benachbarte Hochschule reserviert war. Mitte 2020 will die Solor-Gruppe mit ihren rund 100 Mitarbeitern etappenweise und parallel zum laufenden Betrieb vom jetzigen Standort in Innenstadtlage an den künftigen auf dem Konversionsgebiet Husterhöhe umziehen; damit einher soll eine weitere Modernisierung des Maschinenparks gehen.

Die kurzen Wege zwischen Solor, dem Campus Pirmasens, dem Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e.V. (PFI), der International Shoe Competence Center Pirmasens gGmbH (ISC) und der dort angesiedelten Deutschen Schuhfachschule (DSF) bündeln in ein und demselben Quartier komplementäre Kompetenzen rund um den Schuh. Diese reichen von Forschung und Lehre über die Entwicklung von Produkten und Technologie zur Serienreife inklusive Qualitätssicherung bis hin zur praktischen Umsetzung und Vermarktung.

Das für Grundstückskauf, Neubau, Teilmodernisierung des Maschinenparks und Umzug getätigte Gesamtinvestment beziffert Matthias Birke auf rund 4,5 Mio. Euro. Der gelernte Orthopädieschuhmachermeister verantwortet gemeinsam mit Mutter Edith Birke bei Solor die Geschäftsführung. Das in dritter Generation inhabergeführte Familienunternehmen gehört heute europaweit zu den führenden
 
Herstellern von Komponenten für die Orthopädieschuhtechnik. Sein 150 Seiten starker Katalog und der Online-Shop enthalten aktuell über 600 verfügbare Modelle, aus denen Orthopädieschuhmacher für ihre Kunden auf Basis eingesandter Leisten individuelle Schäfte nach Maß fertigen lassen können. Mit der Solor Schuhforschung und Entwicklung GmbH und dem für Unternehmen aus der Orthopädieschuhtechnik fertigenden Schwesterunternehmen Birke Schuhhaus & Orthopädie GmbH setzt die Solor-Gruppe jährlich rund 6 Mio. Euro um.
 
Mehr Raum und optimale Vernetzung
67 Jahre Birke in Pirmasens: Josef Birke startete 1952 mit einer Schuhmacherei in der Simter Straße, gründete und eröffnete dann 1969 das Schuhhaus Birke in der Hauptstraße. Sein Sohn Thomas ließ im Jahr 1986 Solor Schuhforschung und Entwicklung folgen. Die schrittweise gewachsenen Kapazitäten am Standort in der Kreuzgasse stießen mit 1.450 qm Grundstück und 850 qm auf drei Etagen bebauter Fläche immer mehr an ihre Grenzen, bis Gründerenkel Matthias Birke im Herbst 2018 den grundsätzlichen Entscheid zur Neuaufstellung fasste. Zu eng und unflexibel waren die Räumlichkeiten für die Produktion geworden, zumal die Anfragen im künftig verstärkt besetzten Marktsegment stetig zunahmen: „Wir wollen uns in Sonderbau und Customizing weiterentwickeln, etwa um unsere Kunden im Prototypenbau zu unterstützen“, so Matthias Birke. „Dafür benötigen wir die geeignete Infrastruktur, aber auch eine enge Verzahnung zu Einrichtungen aus Forschung und Entwicklung.“ 
Als ein Beispiel der synergetischen F+E-Kooperation nennt er den von Solor gemeinsam mit PFI und ISC entwickelten Diabetiker-Schutzschuh zur Vorbeugung von Druckstellen und Wunden. Matthias Birke, selbst Mitglied in vielen projektbegleitenden Ausschüssen von Forschungsprojekten, sieht insofern den Umzug als zukunftsweisende Win-Win-Aktion und freut sich über „das Entgegenkommen von Wirtschaftsförderung und Stadtverwaltung bei der Standortwahl“.
 
Hohe Synergiepotenziale und Top-Signal
„Das PFI arbeitet schon lange Jahre eng mit Solor und der Familie Birke zusammen“, erklärt Dr. Kerstin Schulte, Geschäftsführerin des PFI Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e.V. So prüfe das PFI in seinen Labors die Produkte des Orthopädieschuh-Spezialisten, führe für sie Zertifizierungen durch und profitiere im Gegenzug von deren Beteiligung an Forschungsprojekten. „Wenn sich Solor jetzt einen Steinwurf von uns entfernt ansiedelt, ist das eine prima Sache“, so Dr. Schulte weiter. „Die direkte Nähe wird es uns sicherlich noch einfacher machen, Input für Entwicklung und Forschung zu liefern.“ Große Synergien sieht sie auch für das Zusammenspiel von Solor mit der ISC International Shoe Competence Center Pirmasens gGmbH, deren Geschäftsführung sie ebenfalls
angehört, und nennt als Beispiel von vielen das dort vorhandene biomechanische Labor mit seinen Ganganalysen.
„Unsere Hochschule arbeitet im Bereich Leder- und Schuhtechnik schon lange mit Solor erfolgreich zusammen. Sie bald auch räumlich in unmittelbarer Nachbarschaft zu wissen, wird die Kooperation mit Sicherheit noch weiter intensivieren“, freut sich Prof. Dr. rer. nat. Ludwig Peetz. Der Dekan des Fachbereichs Angewandte Logistik- und Polymerwissenschaften am Campus Pirmasens der Hochschule Kaiserslautern blickt nach vorne: „Die Einführung der Orthopädieschuhtechnik als neuen berufsbegleitenden Studiengang am Standort Pirmasens ist bereits konkret geplant und die Nähe zu Solor kann in diesem Kontext gar nicht wichtig genug gesehen werden.“ 
Als „Top-Signal für den Technologie-Standort Pirmasens“ wertet Dr. Bernhard Matheis, Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens, den Umzug des bereits in dritter Generation inhabergeführten Familienunternehmens auf das frühere Bunker-Hill-Areal: „Schlüsselgrundstücke für geeignete Zwecke bereitzuhalten, hat sich einmal mehr als zielführend erwiesen für eine strategisch richtungsweisende Ansiedlungspolitik. Schließlich bereichert Solor künftig auf der Husterhöhe die dort bereits fest etablierte Keimzelle von Wissenschaft, Forschung und Lehre rund um die Schuhtechnologie.“ Dazu gehörten insbesondere auch die Hochschule mit ihren einschlägigen Studiengängen, das PFI sowie das ISC und die dort beheimatete Deutsche Schuhfachschule, so Dr. Matheis weiter.
 
 
Ergänzendes zur Stadt Pirmasens
Erste urkundliche Erwähnung fand Pirmasens um 850 als „pirminiseusna“, angelehnt an den Klostergründer Pirminius. Der als Stadtgründer geltende Landgraf Ludwig IX. errichtete im heutigen Pirmasens die Garnison für ein Grenadierregiment, es folgten 1763 die Stadtrechte. Am südwestlichen Rand des Pfälzerwalds gelegen und grenznah zu Frankreich ist das rund 42.000 Einwohner zählende, rheinland-pfälzische Pirmasens wie Rom auf sieben Hügeln erbaut. In ihrer Blütezeit galt die Stadt als Zentrum der deutschen Schuhindustrie und ist in dieser Branche heute noch wichtiger Dreh- und Angelpunkt; davon zeugen unter anderem der Sitz der Deutschen Schuhfachschule, des International Shoe Competence Centers (ISC) oder der Standort der ältesten Schuhfabrik Europas. Zu den tragenden Wirtschaftsbereichen zählen unter anderem chemische Industrie, Kunststofffertigung, Fördertechnik-Anlagen und Maschinenbau. Pirmasens positioniert sich heute als Einkaufsstadt mit touristischem Anspruch und gut ausgestattetem Messegelände. Seit 1965 wird eine Städtepartnerschaft mit dem französischen Poissy gepflegt. Weitere Informationen sind unter www.pirmasens.de erhältlich.

Begleitendes Bildmaterial:



Entwurf / Neubau Solor
Quelle: Moelle Raumloesungen GmbH, Saarbrücken


Entwurf / Neubau SolorQuelle: Moelle Raumloesungen GmbH, Saarbrücken


Matthias Birke  Solor
Matthias Birke, Geschäftsführer der Solor Schuhforschung & Entwicklung GmbH
Bildquelle: Solor GmbH
 Solor-Logo
Bildquelle: Solor GmbH



 dr kerstin schulte  prof dr rer nat ludwig peetz  dr bernhard matheis
 Dr. Kerstin Schulte
Geschäftsführerin des
PFI Prüf- und Forschungsinstitut
Pirmasens Pirmasens e.V. und der ISC International Shoe Competence Center Pirmasens gGmbH
Quelle: Stadt Pirmasens
 Prof. Dr. rer. nat. Ludwig Peetz
Hochschule Kaiserslautern / Dekan des Fachbereichs Angewandte
Logistik- und Polymerwissenschaften
Quelle: Stadt Pirmasens
 Dr. Bernhard Matheis
Oberbürgermeister der Stadt
Quelle: Stadt Pirmasens


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