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Sachtafel zur „Polenaktion“: Zwangsausweisung polnischer Juden

Amtsgericht, Bahnhofstraße 22-26




Die Zwangsausweisung polnischer Juden 1938


Hier im Amtsgericht Pirmasens wurden am 27.10.1938 40 Jüdinnen und Juden polnischer Herkunft und Familienangehörige inhaftiert. Erst hier erfuhren sie, dass sie am kommenden Tag nach Kaiserslautern verbracht wurden, um von dort aus mit dem Zug nach Polen abgeschoben zu werden. Ein damals 10-jähriger Junge hat für seine Familien einen Augenzeugenbericht über diese Deportation erstellt, aus denen Ausschnitte im Buch Juden in Pirmasens (S.444-445) zitiert sind.


"Auf dem Gerichtsgebäude teilte man uns mit, dass alle Verhafteten polnische Staatsangehörige seien und infolgedessen als staatenlose Ostjuden abgeschoben würden. Wir verbrachten die Nacht im Gerichtsgebäude und wurden am nächsten Morgen [...] auf Lastwagen nach Kaiserslautern ins Gefängnis gebracht. Meine Eltern und die übrigen Juden mussten hier alle Wertgegenstände, die sie bei sich trugen, abgeben. Anschließend ging es vom Gericht zum Hauptbahnhof, wo wir unter Polizeischutz in Personenwaggons verladen wurden. Pro Waggon bewachten uns zwei Polizisten bis zur polnischen Grenze. Von Kaiserslautern aus ging der Transport über Ludwigshafen, Mannheim, Berlin nach Frankfurt/Oder. Überall, wo der Transport hielt, wurden weitere Waggons mit Juden angehängt oder die Juden in die vorhandenen Waggons gepfercht. So ging es von Stadt zu Stadt. [...] [Wir erreichten] an der damaligen deutsch-polnischen Grenze Neu-Bentschin. Bei strömendem Regen und furchtbarer Kälte mussten wir die Waggons verlassen. Entlang der Gleise wurden wir über das sogenannte Niemandsland auf die polnische Seite getrieben. Doch die Polen ließen die Menschen nicht in ihr Land, so dass wir einige Tage unter freiem Himmel auf Gleisen verbringen mussten. Nach drei Tagen wurden wir von den Polen in eine nahegelegene leerstehende Mühle verfrachtet, die wir nicht verlassen durften. In dieser Mühle, die eine Ruine ohne jegliches Mobiliar war, verbrachten wir fast ein Jahr. Wir schliefen auf Stroh. Einmal täglich erhielten wir vom polnischen Roten Kreuz unsere Verpflegung.“ >> weiterlesen


>> Zum Schicksal der deportierten polnischen Juden aus Pirmasens


© Karola Streppel, Frank Eschrich, Arbeitskreis Geschichte der Juden in Pirmasens/StAPS


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