Jumelage: Arbeitsgespräche zur Stadtentwicklung prägen Besuch

Zwei Wochen nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich reist eine Pirmasenser Delegation am kommenden Freitag, 19. Mai 2017, in die Partnerstadt Poissy. Im Mittelpunkt des dreitägigen Besuches stehen neben Arbeitsgesprächen die Eröffnung des Gartens der Toleranz und Brüderlichkeit sowie die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen des Stadttheaters.

 

Poissy und Pirmasens stehen vor großen strukturellen Herausforderungen, die gleichzeitig historisch einmaligen Chancen darstellen. Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis wird beim obligatorischen Austausch zwischen den Verwaltungsspitzen und Vertretern der Stadtratsfraktionen beider Kommunen die Gelegenheit nutzen, die aktuellen Entwicklungen zweier Leuchtturmprojekte in der Siebenhügelstadt zu skizzieren.

 

Mit dem bevorstehenden Abzug der letzten in Pirmasens verbliebenen US-amerikanischen Streitkräfte eröffnet sich die Perspektive für ein interkommunales Industrie- und Gewerbegebiet auf der Husterhöhe. Das insgesamt 67 Hektar große Areal, das je zur Hälfte auf Pirmasenser und Rodalber Gemarkung liegt, gilt als Filetstück. Das Gelände ist größtenteils erschlossen und zudem außerordentlich gut an die Bundesstraße 10 sowie die Autobahnen 8 und 62 angebunden. Auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie, die auch die organisatorischen Strukturen untersucht, soll die bisher militärisch genutzte Liegenschaft vollständig entwickelt werden.

 

Mit der Errichtung einer City-Star-Jugendherberge in der zentralen Innenstadt steht Pirmasens vor einem weiteren bedeutenden Schritt in seiner strukturellen wie touristischen Entwicklung. In der ehemaligen Hauptpost sollen jährlich 28 000 zusätzliche Übernachtungen generiert werden. Dadurch ergeben sich unter anderem Synergieeffekte für Einrichtungen wie dem Science-Center Dynamikum sowie dem Kulturforum Alte Post mit seinen museumspädagogischen Angeboten. Für die Errichtung der City-Star-Jugendherberge sind Investitionen von 11,61 Millionen Euro veranschlagt.

 

Auch Poissy hat mehrere Großprojekte auf den Weg gebracht. Durch die Realisierung versprechen sich die Verantwortlichen nachhaltige Impulse für die künftige Entwicklung der knapp 37 500 Einwohner zählenden Stadt an der Seine. Bürgermeister Karl Olive wird zusammen mit Dezernenten und Kabinettsmitgliedern die Pirmasenser Delegation am Samstagvormittag bei einer Ortsbesichtigung die Pläne erläutern.

 

Auf einer gut elf Hektar großen Industriebrache soll bis im Jahr 2035 ein völlig neues ökologisches Stadtviertel erblühen. Das ehemalige Bahn-Areal im Nordosten von Poissy liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Werksgelände von PSA/Peugeot Citroën. Geplant sind entlang einer zwei Hektar großen Grünzunge mit ausgedehntem Fuß- und Radwegenetz rund 2 000 neue Wohnungen, der Bau einer Schule sowie einer Kinderkrippe, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten.

 

Das Quartier soll bis zum Jahr 2035 sukzessive und ökologisch nachhaltig entwickelt werden. Das Konversionsprojekt ist als Public-private-Partnership-Modell angelegt und soll über 100 Millionen Euro an öffentlichen und privaten Investitionen freisetzen. Mit dem neu entstehenden Stadtteil reagiert Poissy auf die steigende Nachfrage an Wohnraum im Speckgürtel von Paris. Das Öko-Quartier „ Rouget de Lisle“ liegt direkt an der wichtigen Schnellbahnlinie Versaille-Archères und soll über einen Hhaltepunkt in das Bahnnetz angebunden werden.

 

Außerdem wird Poissy künftig mit einer neuen moderne Straßenbahnlinie, die mitten durch die Stadt führt, an das ausgedehnte S-Bahn-Netz von Paris besser angebunden und damit zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Département Yvelines.

 

Mit dem Stadtviertel La Coudraie steht ein weiterer Stadtteil von Poissy vor einer Revitalisierung. Rund 900 sanierte Wohnungen warten auf neue Mieter. Das Quartier ist als Sanierungsgebiet ausgewiesen und verfügt über eine Kinderkrippe, die Platz für 60 Jungen und Mädchen bietet sowie eine Schule und Freizeiträume. Die Immobilien stammen aus den 70er Jahren und waren heruntergekommen. Nach 

Anlaufschwierigkeiten war im Jahr 2014 der Startschuss für die Revitalisierung gefallen. Bei der Generalsanierung haben die Macher großen Wert darauf gelegt, dass sich die Architektur wie eine grüne Insel in die urbane Landschaft einfügt.

 

Dass die seit 1965 bestehende Jumelage sprichwörtliche Wurzeln geschlagen hat, beweist ein Olivenbaum. Die geschätzt 180 Jahre alte Pflanze war ein Geschenk der Pirmasenser an die Bevölkerung von Poissy anlässlich des 50. Jahrestages der Städtepartnerschaft am 26 September 2015. Inzwischen hat der Olivenbaum einen Platz im interkonfessionellen Garten der Toleranz und Brüderlichkeit gefunden. Mit einer kleinen Feierstunde – in Anwesenheit der Pirmasenser Delegation – wird der Garten offiziell seiner Bestimmung übergeben, unter Beteiligung des Kinderstadtrates von Poissy und einer Gesangsdarbietung des Chores der Jean-Jaures-Schule.

 

Den 80. Geburtstag ihres Theaters nehmen die Pisciacais zum Anlass, um das Jubiläum mit einer öffentlichen Feier zu begehen. Die Besonderheit: Das Stadttheater befindet im Rathaus, das von den Architekten Pierre Mathé und Henri Calsat entworfen und 1936 auf dem ehemaligen Viehmarkt errichtet worden war. Seit 1997 stehen die Fassade, das Foyer, der Hochzeitsaal sowie das Theater unter Denkmalschutz. Die Feier mit einem Konzert und Tänzen wird vom Jugendorchester des Konservatoriums von Poissy gestaltet und durch eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses abgerundet.

 

Nach den Arbeitsgesprächen am Sonntagmorgen endet der Partnerschaftsbesuch mit den offiziellen Reden der beiden Verwaltungschefs in der Villa Savoye. Das Juwel moderner Architektur wurde zwischen 1928 und 1931 von Le Corbusier entworfen. Das architektonische Kleinod war bis 1939 bewohnt. Während des Baus des benachbarten Lyzeums 195, drohte der Villa der Abriss. André Malraux, der damalige Kulturminister konnte dies verhindern. Im Juli 2016 ist die Villa Savoye von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden.
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