PRESSEMITTEILUNG - 16.05.2018


Blümelstal: Flora und Fauna profitieren von naturnaher Aufwertung

    

Die Arbeiten zur Renaturierung des Blümelsbachs sind abgeschlossen. Die insgesamt 15 Hektar große Talaue soll sich zum Lebensraum für Fische, Vögel und den Biber entwickeln. Das Pirmasenser Vorzeigeprojekt ist Teil der „Aktion Blau“, einem Programm des Landes Rheinland-Pfalz zur Wiederherstellung der ökologischen Funktionsfähigkeit von Fließgewässern.

 

Ziel der Maßnahme ist es, eine naturnahe Wasserrückhaltung zu ermöglichen und eine eigendynamische Gewässerentwicklung anzustoßen. In den vergangenen Monaten wurde der Bachlauf auf einem 1,8 Kilometer langen Teilstück – zwischen dem Damm des Regenrückhaltebeckens unterhalb von Hengsberg und dem Brückenbauwerk der Landesstraße 600 – renaturiert.

 

Zunächst wurde dafür ein Fichtenwäldchen gefällt. Die Bäume wurden als sogenannte Habitatelemente (Buhnen, Wurzelteller, Unterstände) zu natürlichen Hindernissen in dem bisher geradlinigen Bachbett verbaut. Durch das Einbringen dieser Strömungslenker soll das Wasser abgelenkt werden und die Entnahme der Wasserbausteine im Bachbett ermöglicht dem Bach sich selbst ein neues, möglichst schlängelndes Bett zu graben. Die verschiedenen Störelemente unterstützen die Eigendynamik des Gewässers und fungieren als Initialmaßnahme für die Entstehung vielfältiger Gewässerstrukturen. In der Folge entstehen neue Lebensräume für Fische, Wasserorganismen und Vögel. Durch diese punktuellen Eingriffe in die Talaue können wertvolle Strukturen, wie zum Beispiel die Nasswiese, erhalten werden.

 

Im weiteren Verlauf wird das Bachbett auf einer Länge von etwa 800 Metern komplett verlegt und mit Holz und Steinschüttungen (Rauschen) neu angelegt, die – ähnlich wie die Baumstämme – als Hindernis dienen sollen, um die Abflussgeschwindigkeit des Wassers deutlich zu reduzieren.

  

Die Maßnahme wirkt sich durch die Erhöhung des Rückhaltevermögens vorteilhaft auf den Hochwasserschutz aus. Gleichzeitig wird die Ökologie des Gewässers positiv beeinflusst, weil es durch die Erhöhung der Breiten-, der Tiefen- und der Fließvarianz eine bedeutende Verbesserung seiner ökologischen Funktionen erfährt. Diese Faktoren wirken sich positiv auf die Selbstreinigungskräfte des Gewässers und damit auf die Wasserqualität aus.

 

Die Gemeinnützige Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GfG) hat das Renaturierungsprojekt als „besonders gelungen“ bezeichnet. Es war eine der größten Maßnahmen, das die zuständige Regionalstelle für Wasserwirtschaft bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) im Jahr 2018 betreut hat.

  

Hintergrund:

Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf insgesamt 500 000 Euro. Rund 60 Prozent davon übernimmt das Land Rheinland-Pfalz im Rahmen der Fördermaßnahme „Aktion Blau“. Die Renaturierung ist für die Stadt Pirmasens ein Naturschutzinstrument zum Ausgleich für die Ausweisung des Bebauungsplanes Husterhöhe Süd, dem Ausbau der Kreisstraße 4 bei Erlenbrunn, der Flächenversiegelung durch das Baugebiet „Rehbock“ in Fehrbach sowie der Klärschlammtrocknungsanlage in Fehrbach. Die fälligen Ausgleichsverpflichtungen für die Eingriffe in die Landschaft auf städtischer Gemarkung werden auf einem sogenannten Ökokonto angespart. Durch die Entnahme von 200 000 Euro oder 40 Prozent der Gesamtkosten konnte deshalb der Eigenanteil der Stadt Pirmasens finanziert werden.  

 

Die Stadt Pirmasens hat sich auf Vorschlag des Beigeordneten Michael Schieler ganz bewusst dafür entschieden, großflächige und möglichst zusammenhängende Flächen zu renaturieren. Am Beispiel des Blümelstal lässt sich sehr gut aufzeigen, dass die naturnahe Aufwertung auch in touristischen Überlegungen eine Rolle spielt. Das 15 Hektar große Areal grenzt direkt an den grenzüberschreitenden Radweg von Pirmasens nach Bitsch an.



Weitersagen
Lesezeichen / Empfehlung