PRESSEMITTEILUNG - 25.4.2016

Hugo-Ball-Kabinett würdigt Leben und Wirken des Dada-Erfinders

Mit der Einrichtung des Hugo-Ball-Kabinetts würdigt Pirmasens seinen berühmten Stadtsohn. Im Nordflügel des Kulturforums Alte Post entsteht eine interaktive Dauerausstellung zu Leben und Wirken des Lautgedicht-Pioniers. Die für Ende November angestrebte Eröffnung markiert den Höhepunkt der spartenübergreifenden Veranstaltungsreihe des Jubiläums „100 Jahre Dada“.

Auf knapp 180 Quadratmetern erhalten Besucher einen ersten Überblick zum Leben und Wirken des in Pirmasens geborenen Literaten sowie Wissenswertes zum Dadaismus gestern und heute. Hugo Ball hat die revolutionäre Kunstform mitbegründet, von der wesentliche Impulse auf Literatur und Kunst der Moderne ausgegangen sind.

Das Kabinett gliedert sich in drei Abteilungen und greift die natürliche Dramaturgie des Ortes auf. Der erste Raum widmet sich der Biographie Hugo Balls mittels Zeitstrahl, in den verschiedene 3D-Objekte integriert sind. Beleuchtet wird außerdem die Beziehung des Künstlers zu seiner Heimatstadt. An exponierter Stelle wird unter anderem die Totenmaske des Künstlers präsentiert. Das Cabaret Voltaire steht Pate für die zweite Abteilung. Auf polygonalen Wänden – zum Teil mit Großgrafiken versehen und durch Projektionen ergänzt – können die Besucher in die Dada-Welt eintauchen. Zentrales Element stellt eine originalgetreue Nachbildung des kubistischen Kostüms dar. Darin gekleidet trat Ball im Juni 1916 als „magischer Bischof“ auf und trug erstmals sein Lautgedicht „Karawane“ vor - in dem von ihm mitbegründeten „Cabaret Voltaire“, einem Zürcher Café und Künstlertreff. Die Darstellungen im Kuppelzimmer, dem dritten Raum, zeigen auf, welche Auswirkungen die Dada-Bewegung auf nachfolgende Künstlergenerationen hatte. Die Installationen fordern die Besucher dazu auf, über Dada gestern, heute und morgen ins Gespräch zu kommen. Die durchgehend thematisierte und effektvoll beleuchtete Inszenierung des Kabinetts stützt sich auf historische Fotos und Textdokumente, die durch Audiostationen und Einspielfilme ergänzt werden.

Das studio klv, ein interdisziplinäres Beratungs- und Kreativbüro mit Sitz in Berlin, hat das Konzept erarbeitet. Die veranschlagten Kosten für Realisierung des Hugo-Ball-Kabinetts belaufen sich auf rund 130 000 Euro. Im aktuellen Haushalt stehen dafür Mittel in Höhe von 80 000 Euro zur Verfügung. Die restlichen veranschlagten Kosten werden über eine zweckgebundene Spende der Liselott-und-Klaus-Rheinberger-Stiftung finanziert. Für die Umsetzung eventuell noch eingehender Ideen, beziehungsweise die Verlagerung und Neueinrichtung des Aktiven Museums innerhalb des Forums Alten Post, wurde ein Betrag von rund 70 000 Euro als Handlungsreserve eingeplant. Das Konzept zur Einrichtung des Hugo-Ball-Kabinetts wurde heute Nachmittag im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung vorgestellt.

„Mit der Einrichtung des Hugo-Ball-Kabinetts schärft Pirmasens sein Profil als Heimatstadt des bedeutenden Literaten nachhaltig“, ist Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis überzeugt. Gleichzeitig trage das Projekt zu einer weiteren Attraktivierung des Forums Alte Post bei und ergänze das museale Angebot ideal, so der Verwaltungschef weiter. Bereits jetzt würdigt die Stadt mit der Dauerausstellung „Heinrich Bürkel – Landpartie“ Leben und Werk des 1802 in Pirmasens geborenen Malers. Abgerundet wird das Konzept durch vielfältige museumspädagogische Angebote, insbesondere für Kinder und Jugendliche.

Hintergrund: Die Pflege des künstlerischen Erbes Hugo Balls (1886 – 1927) hat sich die Stadt Pirmasens bereits vor mehr als vier Jahrzehnten zum Anliegen gemacht. Um der Ball-Forschung ein Forum zu schaffen, wurde 1970 in Pirmasens die Hugo-Ball-Sammlung gegründet. Seit 1977 wird der Hugo-Ball-Almanach herausgegeben. Die literaturwissenschaftlich ausgerichtete Sammlung verfügt über rund 5 000 Bücher, Dokumente und Objekte. Mittelfristig ist geplant, dass die Hugo-Ball-Sammlung einen neuen Standort beziehen soll, an dem auch Literaturwissenschaftler qualifiziert ihrer Forschung nachgehen können.

Seit 1990 lobt seine Heimatstadt im Drei-Jahres-Rhythmus den mit 10 000 Euro dotierten Hugo-Ball-Preis aus. Mit dem Literaturpreis werden Persönlichkeiten geehrt, die geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch im Sinne Hugo Balls arbeiten.

Das Jubiläum „100 Jahre Dada“ hat die Stadt Pirmasens zum Anlass genommen, um die Helden der Avantgarde mit einer spartenübergreifenden Veranstaltungsreihe zu würdigen. Unter dem Titel „PS: Eine Stadt ist Dada“ rücken die Macher die Erfinder der revolutionären Bewegung sowie die Weiterentwicklung dieser Kunstform ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der Bogen spannt sich bis November von Stadtrundgängen über szenische Lesungen und kulturhistorische Vorträge bis hin zu einem Poetry-Slam und einer Dada-Performance unter freiem Himmel.
www.pirmasens.de/hugoball  (externer Link)

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Totenmaske von Hugo Ball
Totenmaske von Hugo Ball
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