"PS: Eine Stadt ist Dada"

2016 stand Pirmasens ganz im Zeichen von Dada und seinem Mitbegründer, dem 1886 in Pirmasens geborenen Hugo Ball.

Unter dem Motto "PS: Eine Stadt ist Dada" fanden verschiedenste spartenübergreifende Veranstaltungen statt - von einem Stadtrundgang über szenische Lesungen und kulturhistorische Vorträge bis hin zu einer Dada-Performance mit Lautgedichten unter freiem Himmel. Den Höhepunkt bildete die Eröffnung des Hugo-Ball-Kabinetts.

Für Besucher ist das Hugo-Ball-Kabinett seit dem 22. November 2016 geöffnet.
Nähere Informationen und Impressionen gibt es hier.




Das Forum ALTE POST war während des Dada-Jahres Gastgeber folgender Veranstaltungen:

Sonntag, 1. Mai 2016, 20 Uhr:
Trio Furioso: "So komm doch…!" - eine pfuiteuflische Zeitreise
Trio Furioso: Nathalie Stadler, Jürg Hummel, Rolf Fritz

Nathalie Stadler         Jürg Hummel           Rolf Fritz
Lieder, die dada sind: "So komm doch ...!" - eine "pfuiteuflische" Zeitreise vom Dadaismus in die wilden 1920er
Kurz vor Beginn der "Roaring Twenties" hatte der Dadaismus zum Sturm auf künstlerische, aber auch gesellschaftliche Konventionen aufgerufen. Das Absurde, Groteske und Unsinnige wurde zur Brechstange, mit der Stillstand, Sattheit und Selbstzufriedenheit aufgebrochen werden sollten. Das revolutionäre Potenzial des Dada war in den 20ern zwar entschärft, doch die Lust am Blödsinn und am Exotischen ungebrochen ...
Die Zeit ab dem verlorenen Weltkrieg war eine Zeit der Wirtschaftsdepression und Arbeitslosigkeit, eine Zeit, die bei einem Großteil der Menschen geprägt war von Armut, Hunger, Hoffnungslosigkeit. Aber auch: Der Tanz auf dem Vulkan, in dem Künstler aller Sparten Unglaubliches vollbrachten!
Die Schriftsteller und Dichter sprachen offen von der Freizügigkeit und Zügellosigkeit in der Liebe in einer Sprache, die so subtil war, dass nie das Wort "Sex" fiel und trotzdem jeder wusste, wovon die Rede ist. Lebenshungrig und vergnügungssüchtig waren die Menschen in den Städten, gaben sich in der Halbwelt dem Alkohol, den Drogen und der Liebe hin ...
Femme Fatale und Gigolo waren neben der Garçonne die Prototypen dieses Künstlermilieus – grandiose Komponisten wie Hollaender, Gilbert oder Nelson komponierten nach Texten von Kästner, Ringelnatz oder Tucholsky Couplets und Schlager-Kleinode ihrer Gattung.
In diese aufregende Epoche lädt das Trio Furioso ein: Es nimmt die Gäste mit zu einer musikalisch-literarischen Zeitreise in die Zeit von vor 100 Jahren bis in die wilden 20er Jahre, die wunderbar unsinnig dadaistische Texte und satirische Gedichte berühmter Autoren mit banalen Gassenhauern und geistvollen Couplets vereint.
Da tanzt "In der Bar zum Krokodil" die "Braut vom Alexander" auf der "Höhe der Situation" ...
Vermischt mit den genial-skurrilen Gedichten von Ball, Schwitters, Arp und anderen Dadaisten entsteht vor dem inneren Auge ein Sittengemälde dieses Jahrzehnts.
Nathalie Stadler – eine Femme Fatale, die von der rotzigen Göre über das naive Dummchen bis hin zur mondänen Diva sämtliche stimmlichen wie darstellerischen Register zu ziehen weiß, und Jürg Hummel, der den eigentlich tragischen Gigolo als eitlen Gecken gibt und wortgewaltig souverän schauspielerisch brilliert.
Beide ziehen sie das Publikum mit Stimme, Charme, Spielwitz und ausdrucksvoller Mimik in ihren Bann!
Der besondere Reiz dieser Revue liegt im wechselvollen Zusammenspiel von Nathalie Stadler und Jürg Hummel. Wie in den damals gerade aufkommenden Screwball-Comedies spielen die beiden sich die Pointen wie Bälle zu ...
Pianist Rolf Fritz steht den Akteuren auf der Bühne in nichts nach und gibt jedem Chanson durch sein versiertes, farbiges Spiel die richtige Atmosphäre.
Die Gäste können sich auf einen unterhaltsamen Abend freuen, der sowohl mit augenzwinkernder Ironie die Lachmuskeln strapaziert, als auch das Zeitgefühl dieser zerrissenen Epoche und die Sehnsüchte vergangener Zeiten wieder aufleben lässt - so, dass einem das Lachen manchmal im Halse stecken bleibt ...
Musikalisch-literarisches Kabarett vom Feinsten!


Freitag, 13. Mai 2016, 19 Uhr:
"Erinnerungen eines Gedächtnislosen" - Hommage an Erik Satie
Margit Straßburger, Rezitation und Gesang
Andreas Florczak, Klavier

Er gilt als einer der originellsten Musiker der europäischen Moderne: Erik Satie. Unter dem Titel „Erinnerungen eines Gedächtnislosen“ erwartet das Publikum eine kabarettistisch-kulinarische Hommage an den vielseitigen Einzelgänger. Margit Straßburger
Die Schauspielerin und Chansonette Margit Straßburger überrascht – begleitet vom Pianisten Andreas Florczak – mit einem facettenreichen Kaleidoskop zu den Gedankengänge eines Dickkopfes.
 
Erik Satie (1866 – 1925) beeinflusste als Komponist des frühen 20. Jahrhunderts die Neue Musik. Er machte sich offen über die Musiktradition der letzten 200 Jahre lustig, war befreundet mit Cocteau und Debussy, und wurde Anherr der legendären französischen Komponistengruppe, die sich zur „Groupe de Six“ zusammenfand. Der Franzose verband Kirchen- und Cabarett-Musik, hinterließ auch zahlreiche Schriften, Musiktheaterstücke und skurrile Zeichungen, und wird heute als einer der originellsten Musiker der europäischen Moderne anerkannt. In der Hommage „Erinnerungen eines Gedächtnislosen“ erlebt der Zuschauer den lustigen Visionär Erik Satie, der für Chansonetten und Chansoniers komponierte. Er nahm alles auf, was ihn in seiner Zeit bewegte: Schlager, Walzer, den Klang von Varieté und Zirkus.
 
Als er unter den Einfluss des esoterischen Rosenkreuzer-Ordens gerät, schreibt er Ritualstücke ohne Taktstriche. Es entstehen die „Trois Sarabandes“ und die „Trois Gymnopédies“. Dreimal hatte sich Satie vergeblich um einen Sitz an der Akademie der Künste in Paris beworben. Mit dem Gehalt eines Kaffeehauspianisten und als Klavierbegleiter für Chansons schlug er sich durchs Leben. Arcueil, ein Arbeitervorort von Paris wird 1898 sein Wohnsitz. Tagtäglich läuft Satie nun zu Fuß in die französische Hauptstadt und zurück, um zu arbeiten. Einmal in der Woche besuchte er Claude Debussy, um dessen Klaiver zu benutzen.


Freitag, 16. September 2016, bis Sonntag, 15. Januar 2017:
"Seepferdchen und Flugfische"
Unter dem Titel "Seepferdchen und Flugfische" macht die Stipendiaten-Ausstellung des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des Landes Rheinland-Pfalz im Forum ALTE POST Station. Die Schau, die sich im weitesten Sinne mit Dada in zeitgenössischer Weise beschäftigt, zeigt eine große Bandbreite unterschiedlicher Genres. So treten unter anderem skulpturale Rauminstallationen in einen Dialog mit Collagen, Übermalungen, Fundstücken, Fotografien und Videoarbeiten. Hierbei werden Gesten des Dada mit seinem Willen zur Erneuerung überkommener bürgerlicher Ideale sowie eine Verknüpfung von Kunst und Alltagsleben erprobt. So greifen beispielsweise Skulpturen die Formensprache Hans Arps auf und kreieren Objekte, die eine mögliche Aktivierung durch die Betrachter andeuten. Hugo Ball, der große Sohn der Stadt Pirmasens, steht mit seinem Lautgedicht Pate für die Ausstellung, in der die vielfältigen Arbeiten für Denkanstöße und Überraschungen im Forum ALTE POST sorgen.
Die teilnehmenden Künstler im Überblick:
Joana BC / Jonathan Baldock / Isa Bordat / Selket Chlupka / Micha Das Bach / Andrea Dettmar / Carola Deye / Sebastian Haslauer / Stefanie Klingemann / Ahram Kwon / Anna Lehmann-Brauns / Stefan Mildenberger / Johanna Smiatek / Ina Weber / Željko Vidović


Freitag, 28. Oktober 2016, 19.00 Uhr:
"Sacher-Wilmanns: Zwitscherbilanz"
Ein Feuerwerk dadaistischen Einfallsreichtums
oder
Die Kunst des mehrstimmigen Lallens auf höchstem poetischem Niveau –
(Wort-)Degustation neu erleben!

In ihrem letzten Programm beschäftigten sich Sacher-Wilmanns mit dem Treiben gefiederter Freunde, nun zwitschern sie dem Publikum einen, trinken auf den Genuss reifer durchgegorener Trauben, tragen Bacchus' Lampe voran und stoßen auf das Prosten an.
Pegel und Promille werden ebenso unter die nüchtern musikphilosophische Lupe genommen wie die Frage, was alles passieren kann, wenn Pastis und Chartreuse zuschlagen.
Man will es kaum glauben, aber die beiden finden neuerdings das Lied gut. Nach über 30 Ars-Vitalis-Bühnenjahren entdecken sie die Kunst mehrstimmigen Lallens auf höchstem poetischem Niveau.
Zum klingenden Inventar gesellen sich neben den herkömmlichen Blas- und Saiteninstrumenten nun auch Flaschen und Gläser, Schläuche und die berühmte klingende Neige. Der weiße Rausch darf natürlich nicht fehlen.
Sacher-Wilmanns tauchen durch absinthtiefe Gründe des tillierten Lebenswassers, fliegen fahnend durchs Delirium Tremens und landen an steilen Lagen Schiefer.
Denn wer an der Ahr war und weiß, dass er an der Ahr war, der war nicht an der Ahr. Das liegt Nahe.
Nur die trübsten unter den naturtrüben Tassen wollen partout nicht glauben, dass der Amselfelder mit einem Vogel ebenso wenig gemein hat wie mit einem Wein. Sacher-Wilmanns sind nicht breit, sondern legen sich quer.


Samstag, 19. November 2016, 19 Uhr, Glasanbau im Forum ALTE POST:
Rezitationsperformance "Totenklage" von Hugo Ball
Zum Abschluss des Jubiläums "100 Jahre Dada" und der unmittelbar bevorstehenden Eröffnung des Hugo-Ball-Kabinetts lädt das Kulturamt der Stadt Pirmasens zu einer Rezitationsperformance des Kölner Ensemles KörperSchafftKlang. Im Mittelpunkt des Abends steht Hugo Balls Lautgedicht Totenklage".
Die neun Mitwirkenden von KörperSchafftKlang liefern eine beeindruckende Stimm- und Textperformance, wie man heute im Geiste Dadas agieren kann. Formendes Prinzip des Ensembles in der Auseinandersetzung mit Dada und der "Totenklage" ist unter anderem der Sprechgesang in seinen verschiedenen Versionen, wie er in diversen religiösen Traditionen praktiziert wurde und wird.
Die Performance dauert etwa 90 Minuten, Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt ist frei und jederzeit möglich; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Im Rahmen der Veranstaltung ist die aktuelle Sonderschau "Seepferdchen und Flugfische" geöffnet.


Sonntag, 20. November 2016:
Eröffnung Hugo-Ball-Kabinett
Hugo Ball, Held der Avantgarde, findet seinen angemessenen Platz im Forum ALTE POST. Dort wird das Schaffen des Pirmasenser Schriftstellers künftig gewürdigt. Derzeit wird die interaktive Dauerausstellung in Zusammenarbeit mit dem Berliner Beratungs- und Kreativbüro KLV konzeptioniert.


Donnerstag, 9. März 2017, 20.00 Uhr: 
"ba-umf  - Ein Hoch auf Dada!"
Dada-Projekt mit Michael Quast

Bizarre Wortgewitter zum Dada-Jubiläum mit Michael Quast
Ein literarisches Vergnügen der Sonderklasse verspricht der Auftritt des Frankfurter Kabarettisten und Schauspielers Michael Quast am Donnerstag, 9. Juni, 20 Uhr. Zum Jubiläum "100 Jahre Dada" serviert der vielseitige Künstler eine One-Man-Show unter dem Titel "ba-umf - ein Hoch auf Dada!".
Es war im Frühjahr 1916, als eine Gruppe von jungen Künstlern im Zürcher Cabaret Voltaire so mächtig auf die Pauke haute, dass eine internationale Kunstbewegung ins Leben gerufen wurde, die bis heute Strahlkraft besitzt. Zwei, die sich dabei besonders hervortaten, waren der Pirmasenser Hugo Ball und Richard Huelsenbeck, Sohn eines Apothekers aus dem hessischen Frankenau.
Im Rahmen des Kultursommer Rheinland-Pfalz gibt der vielseitigste und mehrfach preisgekrönte Aktionskünstler Michael Quast mit bizarren Wortgewittern, Spielstücken und Trommelwirbel ab 20 Uhr im Elisabeth-Hoffmann-Saal einen Eindruck davon, wie Hugo Ball, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck & Co. vor 100 Jahren ihr Publikum agitierten: "Ziellose aller Länder, vereinigt euch!"
Michael Quast, Schauspieler, Regisseur, Kabarettist und Produzent, verbindet auf höchstem Niveau Musik, Tanz, Gesang und hinreißende Komik. Der Gründer und Leiter der Fliegenden Volksbühne Frankfurt ist dem Pirmasenser Publikum unter anderem als Moderator des Neujahreskonzertes bekannt. In der Festhalle gab er außerdem bereits den Don Giovanni und entpuppte sich als Meister der multiplen Rollengestaltung in Faust I., wo er zum Vergnügen der Zuschauer alle Rollen verkörperte.

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