Die Initiative

Für die Ausgestaltung der Gedenkstätte wurde ein künstlerischer Wettbewerb ausgelobt. Insgesamt haben 27 Künstler Entwürfe eingereicht. In einer ersten Preisgerichtssitzung am 21.10.2013  wurde daraus eine engere Auswahl von 5 Entwürfen bestimmt. Diese 5 Entwürfe wurden über den Zeitraum von vier Wochen im Rathaus ausgestellt und damit die Öffentlichkeit in den Entscheidungsprozess eingebunden. Die Bürger konnten über Stimmzettel für jeden Entwurf zu den entscheidenden Fragen wie

  • der Wirkung auf junge Menschen,
  • der Auswahl des Standortes,
  • der Erkennbarkeit des Bezugs zum Thema,
  • der emotionalen Wirkung des Entwurfs sowie
  • der Integration der multimedialen Elemente

eine Rangfolge abgeben und/oder eigene formulierte Eindrücke und Meinungen äußern. Eine Bewertung der Entwürfe war außerdem über die  Homepage der Stadt möglich.


Das Ergebnis der Auswertung der Öffentlichkeitsbeteiligung wurde der Jury der entscheidenden Abstimmung in der Sitzung am 23.01.2014 vorgestellt. Anschließend hat das Preisgericht in geheimer Abstimmung den Sieger festgelegt und eine Empfehlung zur Umsetzung des Siegerentwurfs an den Stadtrat abgegeben. Es stellte sich heraus, dass der von der Öffentlichkeit am besten bewertete Entwurf mit dem Abstimmungsergebnis des Preisgerichts übereinstimmte.


Als erster Preisträger wurde der Entwurf „Stelen“ des Künstlers Clas Steinmann aus Trier festgelegt. Der zweite Preis in Höhe von 500 Euro wurde an die Künstlergemeinschaft Sebastian Böhm, Trier, und Susanne Zils, Berlin, für den Entwurf „Scherbenepitaph“ vergeben. Am 24.02.2014 hat der Stadtrat die Umsetzung dieses Siegerentwurfes „Stelen“ beschlossen. 


Die feierliche Einweihung der Gedenkstätte fand am 24. September 2014 statt. 


 

Standort: Grünanlage Bahnhofsvorplatz.

 

Beschreibung


PLATZIERUNG UND BEDEUTUNG

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Pirmasenser Bahnhof zur angstbesetzten Zwischenstation bei der Flucht, Auswanderung, Deportation Pirmasenser Bürger.

Wegen der räumlichen Nähe ist ein Teil der Bahnhofs-Grünanlage für die Platzierung eines Gedenkortes geeignet. Das dort installierte Gleisfragment enthält durch die Gedenkstätte eine wesentliche Bedeutungserweiterung: Schienen verheißen eben nicht nur die Verbindung zur Welt, sondern sind gleichzeitig Sinnbilder von Vergangenheit und Zukunft.

 

STADTRÄUMLICHER BEZUG     

Die Axialsymmetrie der Gedenkstätte bezieht sich auf die Symmetrie der klar gegliederten Grünanlage des Bahnhofvorplatzes und der Achse des Gleisfragments. Während man der Sichtachse folgt, gelangt man über einen schmalen Weg zum Zentrum der Gedenkstätte. Dort tritt man zwischen zwei grün – blau patinierte Bronze-Stelen.

 

KOMMUNIKATION

Die einander gegenüber liegenden Schmalseiten der Bronze-Stelen enthalten jeweils 8 flache Nischen. Auf vier eingepassten Tafeln aus Bronze erhält man Text- und QR-Code-Informationen. Eine Tafel verweist auf dezentrale in der Stadt angebrachte Gedenk-Tafeln, ebenfalls  mit QR-Codes sowie Namen der Opfer. Über die QR-Codes wird das Mobiltelefon zum Vermittler von Geschichte und Botschaften von heute, gesteuert von der städtischen Webseite.

 

FORM, FARBE, KONSTRUKTION

Zwei Stelen, mit den Schmalseiten zueinander stehend, „im Dialog“, monolithisch, ohne Sockelzone. Wasser gebundene Oberfläche des Gedenkweges. 3 mm Bronzebleche, verweißt, fugenlos geschliffen, stabile Kastenbauweise, grün – blau patiniert (Patinierung dauerhaft eingebrannt, kann bei Beschädigung abgeschliffen und erneuert werden). Verankerung mit Edelstahlkonstruktion auf Betonfundament, frostfrei nach statischer Berechnung. Ebenso wie die Nischen, sind die Gedenktafeln quadratisch, in der Form neutral, zurückgenommen. Typografie und QR-Code sind zentriert angeordnet. Inhalt und Bedeutung stehen im Vordergrund. 

 
Begründung der Jury

Die Jury lobt die Einbindung des Entwurfs in die Sichtachse des Bahnhofs, die städtebauliche Anpassung und die Spannung erzeugende Farblichkeit.

Die Arbeit dokumentiert den Exodus, das Hinausgehen aus der Gesellschaft, durch eine Torsituation. Als Impuls an den Künstler schlägt die Jury vor, die noch nicht vorgestellten Erinnerungstafeln farblich konsistent zu den Stelen zu gestalten.

Flyer zum Gedenkprojekt
Flyer zum Pirmasenser Gedenkprojekt mit der Umsetzung der ersten Gedenktafeln weiterlesen
Juden in Pirmasens
Juden in Pirmasens - Spuren ihrer Geschichte weiterlesen
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